Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren? Und wann seinen Sinn?

Vielleicht hat es nicht so wehgetan, weil es so langsam und schleichend passiert ist. Und genau deswegen tut es wohl auch besonders weh: Gothic, so wie wir es einst lieben gelernt haben, ist nicht mehr. Nur noch ein Schatten, eine Erinnerung.

Nun könnte man sagen, dass Schatten und Erinnerungen immer eine große Rolle in unserer Schwarzen Kultur gespielt haben, und man hätte Recht damit – aber genau das ist ja der Punkt. Gothic hat sie gegenwärtig gemacht. Erlebbar. Beseelt. Was jetzt noch übrig ist, ist eine Erinnerung an dieses Erleben. Nicht mehr dieses Erleben selbst. Die Szene? Ich spüre ihren Herzschlag nicht mehr.

Wann hat er eigentlich aufgehört? Als der Graf ins Fernsehen ging? Als Mono Inc. beschlossen, ihre Karikatur von dunkler Musik zu veröffentlichen? Als zu viele WGT-Besucher das optische Ausstellen einer inneren Anders-Gefühlslage mit dem karnevaleskem Spaß am Verkleiden zu verwechseln begannen?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es an all diesen Einzelpunkten nicht liegt. In jeder Szene gibt es Menschen, deren Herz tief verwurzelt drinhängt und solche, die nur an einigen Details gefallen finden. Alles hat eine Oberfläche. Das ist kein Problem  so lange es darunter auch die Tiefe gibt.

Die Toleranz in der Szene war immer eine ihrer Stärken – wir haben es immer gut ausgehalten, wenn The Cure zu kommerziell war oder Kaschte zu durchgeknallt oder Illuminate zu sehr Schlager. Die Szene verträgt Knicklichtgrufties und gröhlende Met-Trinker. Metaller mit gierigen Dekolleté-Blicken und Emily-Autumn-Girlies. Mode-SMler und Uniform-Fetischischisten. Nur die Summe davon hat sie offenbar auf Dauer nicht ertragen – vor allem nicht in Zusammenhang mit unserem vielleicht verheerendsten Fehler: Der Kritiklosigkeit.

Der Ton war uns Überzeugungs-Gothics immer etwas ganze Besonderes. Wir haben unter der Oberfläche der Gesellschaft nach den Nischen gesucht, nach der Individualität. Haben zugehört. Zugelassen. Selbst Schmerz und Hass. Haben hinter alle Dinge geblickt. Aber irgendwann haben wir dabei Toleranz mit Kritiklosigkeit verwechselt. Meinungsfreiheit war uns ein so hohes Gut, dass Irgendwann der Inhalt einer Meinung egal war. Der. Inhalt.

Das hat dazu geführt, das irgendwann jeder alles machen konnte – wir haben es geschluckt. Und irgenwann haben wir mangels besserer Angebote Dinge geschluckt, die wir so eigentlich nicht haben wollten. Irgendwann war ASP eine der besten Bands der Szene. Wir haben nie gelernt, wie wichtig und befruchtend konstruktive Kritik und Streit sind. Auseinandersetzung. Das Ergebnis ist, dass es keine guten neuen Szene-Bands gibt. Man betrachte nur die Programmfolgen der Festivals in den letzten Jahren.

Es gibt immer noch hervorragende dunkle Musik. Musik, die unter die Oberfläche schaut und das Dunkel ertastet. Die Schnitte im Herz, die Wunden in der Seele. Kunst, wegen der wir uns einst in der Schwarzen Szene heimisch gefühlt haben. Aber sie findet heute fast vollständig außerhalb unserer erstarrten Rituale statt. Sie kommt von Ólafur Arnalds oder Soap&Skin, von Casper oder Sigur Rós. Von Bring Me The Horizon oder den Editors. Es gibt sie überall und selbst in Schattierungen, die unsere Szene bisher ausgespart hat, etwa im Hip Hop von Grim104. Nur kaum noch in unserer Schwarzen Szene. Mir tut das in stillen Momenten weh – weil in dieser unserer Szene so verdammt viel Potenzial gesteckt hat! So viel Kreativität. Individualität. Es war schön, dass Dr. Mark Bennecke und Der Herr Der Ringe in unserer Szene Platz hatten – es ist aber nicht schön, dass die Szene hauptsächlich zu Dr. Mark Bennecke und dem Herrn Der Ringe geworden ist.

Wie gern würde ich mal wieder eine richtig tief berührende Platte hören von :Wumpscut: oder Sopor Aeternus. Von Zeraphine oder And One. In Strict Confidence. Diary Of Dreams. Winterkälte. Arcana. Lovesliescrushing. The Retrosic. Künstler, deren Werke, so denn welche erscheinen, ich nach wie vor kaufe – dann aber mit zunehmender Resignation in den Plattenschrank stelle. Neue Künstler wie Lisa Morgenstern, die die Impulse der Schwarzen Szene aufnehmen, erkennen und neu interpretieren? In ihrem Geist bereichern? Gibt es fast nicht mehr. Und falls doch kommen sie zur Not auch ohne uns aus. Es sind sehr, sehr seltene Ausnahmen. „Grausame Töchter“ fallen mir noch ein. Maximal. Leider.

Auf der anderen Seite steht dagegen ein übermächtige, starre Masse, die aus dem einstigen Blick ins Dunkel der Tiefe eine neue Oberfläche gemacht hat. Symbole, deren Chic jeder kennt und deren Bedeutung niemand mehr fühlt. Eine Masse, die aus den Erkenntnissen und mutigen Perspektiven von einst die Phrasen von jetzt gemacht hat. Sie ritualisiert abspult und in Online-Shops einkauft. So wie Mutti jedes Jahr die Weihnachtskugeln an die Tanne hängt – und am Ende beides für originäre Bestandteile eines christlichen Festes hält. Am deutlichsten wird das vielleicht, wenn man auf die toten Magazine blickt: Eine Szene, die so viel auf ihren Geist und ihre Gedanken hält, erträgt komplett geist- und journalismusfreie Szenehefte, in denen jeder Artikel an bezahlte Anzeigen gekoppelt ist? Ja. Und nein. Aber: Diese Situation ist entstanden, weil sie aus uns allen heraus so entstehen konnte.

Es geht nicht um Schuld. Aber es geht darum, wie es ist. Es ist: traurig!

von ((tim))

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116 Gedanken zu „Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren? Und wann seinen Sinn?

  1. Gothic-Was ist das eingentlich?!?
    Hier mal zum thema ein schönen un aufschlussreiches Video:

    und JA Goth und Gothic sind zwei verschiedene dinge! 😉

    Aber ein trost es ist nicht nur in der Gothic szene so.. ich pers. finde das momentan soger die „Metal“ szene langsam aber sicher am sterben ist..
    Den den Jungen „Kids“ geht es nur noch darum „Cool“ zu sein, Party zu machen und sich Halb tot zu saufen!

  2. Hatte Gothic den jemals nen Sinn? Oder ist der verloren gegangen als Hinz und Kunz meinten das sie nun Gothics wären weil ihnen die Farbe schwarz so gefällt? Diese Aufweichung des Grundsätzlichen ist übrigens überall zu beobachten, ob das Nun Gothic ist oder Fetisch oder BDSM, oder was auch immer das einmal für ganz spezielle Menschen noch einen sehr speziellen Stellenwert hatte ….

    LG
    s29

  3. Danke für diesen Text er bringt es so traurig es ist alles Perfekt auf den Punkt.
    So ist für mich das Parade-beispiel für die beste „Szene“ CD der letzen Jahre, welche nicht aus der Szene stammt und im Gesamtbild diese doch am besten verkörpert „Am Ende der Sonne“ von „Farin Urlaub“. W
    arum kommt sowas nicht mehr in solch einer Intensität aus der Szene bzw. nur noch so selten?
    Meine Hoffnung liegt auf ein Umbruch der Szene nach diesem unsäglichen Stillstand.

    Doch sollte man nicht alles Schwarz sehen – (Der Witz wird nicht alt 😉
    So möchte ich doch ein paar gute Beispiele für das Potential der Szene in musikalischer-reinkultur nach meinem Gusto zeigen.

    – Mein Hard
    SIe sind schwer zu beschreiben, ein unikat und ich würde jedem ans Herz legen einfach rein zu hören und sich eine eigene Meinung zu bilden, ihre aktuelle CD heißt „Beyoned Wonderland“.

    – Psycho Luna
    Nicht unbedingt neu auch nicht unbedingt sooo unbekannt doch Sie verdienen zu wenig Anerkennung für ihre Leistung.
    Hört sie euch an und verbreitet ihre Musik solch eine Band ausnahme Erscheinung darf nicht einfach unter ferner liefen sein!

    – Lolita KompleX
    Chanson/Rock/Metal/Wave in kombination schreckt euch nicht ab dann hört rein :-).

    – Waves under Water
    Könnt ihr euch noch an eine Zeit errinern als Elektronische Musik mehr war als begleit Musik zum tanzen? Dann ist hier was für euch :-).

    – Vist
    Hört euch ihre Disographie an, Diese gibt es schlielich kostenlos und Legal von ihr selbst. Es mag Rap sein doch sie bringt Gefühle wie Liebe, Schmerz, Leere ect. in einer unglaublichen Intensität rüber wie es nur wenige Szene Bands schaffen. Dabei gibt es sicher Rapszene mäßige Lieder doch lasst euch davon nicht abschrecken hört wirklich einmal alles durch. Besonders für Fans von Lacrimosa, L’âi, Das Ich wird hier einiges geboten.

    Und noch ein Kleiner Japan exkurs den dort gibt es zum glück wirklich einiges und da würde ich jedem empfehlen der immer das gleiche Leid ist einfach sich mal durch zu hören.
    – Moi dix Mois – Dir en Grey – DespairsRay – Schwarz Stein – Yousei Teikoku – Maximum The Horimone – Rentrer en soi –

    Abschliessend möchte ich nur eine Frage in den Raumstellen.
    Warum findet man solche Band’s nur meist durch Irgendwelche Illegalen Downloadplatformen oder durch genauso rein rechlich gesehen durch Illegale Fan uploads auf youtube und nicht in Szene Zeitschriften oder wie Früher in kleinen Plattenläden wo man noch in CD’s rein hören konnte?

    • ganz einfach, weil durch die ganze illegale downloadscheisse der kleine plattenladen an der ecke längst pleite ist und wenn es so weiter geht wie bisher ist die cd in 5 bis 8 jahren auch komplett verschwunden. kauft CDs und hört euch die scheiben ganz an nicht immer nur einen titel, dann werdet ihr merken, dass es immer noch ne menge gute Musiker gibt, in allen „Szenen“

    • @kasl
      Wenn es nur so einfaches Schwarz/Weiß wäre.
      Früher haben leute im Radio doch auch kassetten überspielt, wo man nachher auch je nachdem wie gut man mitgeschnitten hat die Radiokommentare mitsprechen konnte.

      Was ist mit den großen Elektromarktketten die haben mehr kleine Plattenläden verdrängt als wie downloads weil selbst vor 10 Jahren gab es nicht mehr soviele kleine Plattenläden zumindest hier in der Gegend und da waren downloads noch lange nicht gang und gebe.

      Ja den Wandel sehe ich auch Kritisch weg vom Medium-CD hin zu Downloads ob legal oder illegal mal außen vor.
      Aber solche Wandel gab es auch schon vorher in der Musiklandschaft um ein vielleicht Plakatives Beispiel zu nennen, vor gut 40+ Jahren hieß es schlimm diese Schallplatten verbietet diese damit live Musiker weiterhin geld verdienen könnnen.

      Solange es Leute gibt die Musik in ihrer form der Kunst wertschätzen und der arbeit dahinter wird es sie weiter geben.

      Wobei ich auch abschliesend dir beipflichten möchte es sollten wirklich mehr Leute CD’s erst einmal durchhören und sich dann ein Urteil bilden als ein paar Sekunden durch zu skippen je Lied um dann zu sagen Hop oder Top. Da habe ich leider schon einige erlebt die so verfahren :-(.

      @CherryDarling
      Das ist sicherlich Geschmackssache ich fand sie durchaus Innovativ und sehr interessant, mit ihren verschiedenen einflüßen und da gibts sicherlich noch andere Kanidaten die eher solch einen Titel verdienen würden.

  4. Wegen diesem Kasperl-Theater auf meinem letzten WGT-Besuch (schon einige Jahre her) gehe ich auch nicht mehr hin. Früher empfand ich mich wie unter Gleichgesinnten, fühlte mich wohl, manchmal sogar geborgen, aber das letzte Mal WGT (ich glaube, das war 2005) wie unter Fremden ohne Gleichklang/Gleichsinn. Das viele Schwarz lag nur noch wie ein trendiges Accessoire über der Szene, deckte sie zu ohne sie noch zu durchdringen, darunter war alles kunterbunt geworden. Klar: Gemeinschaften und Zeiten ändern sich, nichts ist starr, außer Totes… aber die Verwandlung und Durchlöcherung in der Gothic-Szene ist enttäuschend. Etwas mehr von außerhalb zuzulassen wäre ja nicht das Schlimme gewesen, aber der aufgeweichte Kern ist dann eben kein Kern an sich mehr. Aber was auf jeden Fall bleibt, sind äußerst wertvolle Musikstücke aus dieser (Anfangs-)Zeit, die nach wie vor jede einzelne Körperzelle zum Schwingen bringen…

    • Du sprichst mir sowas von aus der Seele-2007 war mein letztes. Diese Selbstinszinierung mancher hatte nichts mehr mit Leidenschaft und Liebe und Zugehörigkeit zu tun sondern strotzte nur so von Egodenken und Verkleidung!! Traurig was daraus geworden ist aus diesem Familiengefühl und dem Spaß am Sein wie man ist und denkt und fühlt!!!

      • Wie so oft in heutiger Zeit: die Verpackung scheint wichtiger zu sein als der Inhalt. Die zu künstlich zur Schau gestellte Profilierungssucht irgendwelcher Eitelkeiten übertünchte die doch sehr zerbrechliche Seele dieser Gemeinschaft. Ich fühlte sie nicht mehr, also brachte mir das WGT auch nichts mehr. Und wie in anderen Szenen auch: immer mehr dümpeln alleine vor sich hin, weil nichts mehr wirklich zusammengeht. Vielleicht ist das auch nur ein Ausdruck unserer jetzigen Zeitquälität mit all seinen negativen Erscheinungen. Vielleicht ist es auch nur mein subjektiver Eindruck, aber vielen Menschen geht es so. „Früher“ war das alles irgendwie kein Thema: da verabredete man sich, traf sich, freute sich, unter seinesgleichen zu sein und zehrte lange von solchen Zusammenkünften. Und heute? Kriegen viele ihre Ärsche nur noch hoch, um sich selbst zu „zeigen“, aber nicht mehr, um noch wirklich etwas aufzunehmen, aufzusaugen… die Be-GEIST-erung scheint abhanden gekommen zu sein. Naja, wie jemand die Welt sieht, sagt natürlich auch über die Farbe der Brille was aus, die er aufhat, aber diese „Gedämpftheit“ scheint schon kollektiv zu sein…

  5. Ich kann dem Autor leider nur zustimmen. Besonders im hinblick auf die geradezu Zombireste perfektion von permanentem Repetieren des offensichtlichen und der berührugnsangst vor der Tiefe.
    Und nein. Tolerant bin ich schon lange nicht mehr. warum sollte ich herzlosigkeit und lethargie tolerieren, die sich im endeffekt nur selbst zersetzt. Die „Szene“ hat mich letzlich nur eines gelehrt. Toleranz ist meistens der Deckmantel für Faulheit, Gleichgültigkeit und Heuchelei.

  6. Touché! Habe die Szene fast die kompletten 1990er Jahre „durchlebt“, bin mit Zillo groß geworden, habe die NDT aufkommen sehen und kann mich auch noch gut an die Zeiten erinnern, in denen Punks und Goths und Skins und Neofolker wunderbar Hand in Hand im Zwischenfall tanzten. Literatur, Kunst und Film spielten durchaus eine Bedeutung in der Szene. Und die Musik durfte, sollte, musste sperrig sein. Tracks, die sich über eine LP-Seite erstreckten, Spoken-Word-Alben, Tracks, auf die man eben nicht tanzen konnte.
    Keine Ahnung, wie es heute aussieht. Meine letzten Club-Erlebnisse sind schon eine ganze Weile her. Aber diese Kommerzialisierung gbt es ja nicht erst seit gestern. Bevor es das WGT in Leipzg gab, trafen wir uns zu Pfingsten auf der Domplatte. Einfach so. Wie lang ist das jetzt her? 15 Jahre?

  7. Ich lese die Printmagazine kaum noch. Einzig Myk Jungs Kolumne im „Gothic-Magazine“ finde ich persönlich noch ganz lesenwert.
    Und es gibt außerhalb der Szene noch so wunderbare Musik – wie die erwähnten „Soap&Skin“, „Editors“, „The Exploding Boy“ oder „Chelsea Wolfe“. Man muss einfach selbst schauen, dann findet man schon das, was einen berührt.
    Aber war das früher anders?

    Es mag sein, dass die „Szene“ an sich nicht mehr viel Kreativität hergibt, die dem Individuum ins Herz trifft, aber wer grenzt diese „Szene“ denn überhaupt ein? Sind es die Online- oder Print-Magazine, die mittlerweile auch seltsam dubiose Dinge wie Frei.Wild mit ins Programm nehmen, nur weil sich einige scheinbar davon angesprochen fühlen? Ich finde, das sollte keine Messlatte sein. „Gothic“ existiert nach wie vor, wenn man selbst das beste draus macht. Was natürlich sehr verwässert ist, ist die Clubkultur mit ihrer heutigen Fastfood-Mentalität. Die Atmosphäre verschwindet, das Kribbeln und Herzklopfen ist fort… dieses Gefühl, dieses wahnsinnig spannende Gefühl ist verschollen, wenn man auf der Tanzfläche steht und die Musik in sich einsaugt. Es ist schon seltsam: Das, was man selbst unter „schwarz“ empfindet, drückt sich am besten oftmals dort aus, wo man es eigentlich nicht vermutet.
    Wenn man sich Dinge wie „So hat Gothic heutzutage zu sein und nicht anders“ nicht einreden lässt, dann wird man auch schnell feststellen, dass Gothic nicht tot ist.

    Wenn man beispielsweise eine Musikrichtung vermisst, die es heute kaum noch gibt, dann muss man eben selbst anfangen, Musik zu machen. Wenn man die heutige Musik scheiße findet, dann muss man eben selbst welche machen, die man selbst gerne hört. Auch wenn man dafür nicht genügend Zuhörer findet. Darum geht’s nicht. Es geht um sich selbst, seine eigene Vision. So war das Ende der 70er als Punk quasi tot war: Man hat ihn sozusagen neu erfunden und u.a. Gothic und Dark Wave erschaffen. Nun ist dieses Spektrum scheinbar tot oder dümpelt in kleinen abgespaltenen Subszenen herum, also heißt es: Erschafft es wieder! Und meine Güte, wenn „düster“ populär wird, dann wird es halt populär.

    Wenn man das Gefühl hat, es geht dem Ende zu, muss man einen Neuanfang wagen. Es wird Zeit, die ausgeblichenen Pikes zu putzen 🙂

  8. Hatten wir das nicht alles schon mal… Toleranz – Kritiklosigkeit – Ohnmacht – wegsehen. Oder beschäftigt uns dieser Bürokratie Staat so, das wir uns keine pausen gönnen um nachzudenken. … tick tack… ein ewiger stress… egal ob Urlaub, krankheit, arbeit… tick tack… schnell, schnell, abgabetermine… es wird gelenkt das keiner mehr denkt. Mir fallt ein lied ein… aufgestanden – eingestanden…aufgestanden – eingeschlafen. Die Gesellschaft verursacht ihren selbst produzierten burn out.

  9. Mit dem Sprung zu grim104 hätte ich nicht gerechnet, umso mehr freut es mich. Während ich den Artikel gelesen habe lief im Hintergrund „Weil die andern Spastis sind“…

  10. Alles ist ständig im Wandel, und so wie sich unsere Gesellschaft entwickelt, so negativ entwickelt sich leider auch die „Szene“. Anstatt zu reflektieren und zu kritisieren ist die sogenannte Szene zu etwas mutiert, was sie niemals sein wollte, oberflächlich und inhaltsleer. Wirkliche Toleranz ist nicht mehr zu finden, jeder lästert über jeden und das nur weil er sich vllt nicht die aktuellen Sachen von iwelchen etablierten Szenelabels leisten kann oder einer anderen Gruppierung angehört.
    Die meisten Gothic Bands unterliegen derselben Gewinnproblematik, wie jene im Pop-Business. Musik wird gemacht, um möglich viele anzusprechen und damit einen hohen Gewinn zu generieren. Doch darum ging es ursprünglich nicht in der Szene. Es ging darum sich selbst zu verwirklichen, über Dinge zu schreiben die man selbst erlebt hat und mit anderen Teilen möchte oder um zum Nachdenken über manche Themen anzuregen. Es war viel mehr Philosophie vorhanden. Doch genug der Kritik. Es ist bekannter weise ja nie zu spät. Eine Umstrukturierung ist erforderlich, angefangen bei den Zeitschriften, über die Festivals und und und. Ich bin angehende Medienmanagerin und hoffe für die Zukunft positiv mitwirken zu können 🙂

  11. Wenn dir nur die Grausamen Töchter einfallen, dann kratzt du aber auch nurnoch an der Obefläche 😉 Man muss suchen und offen dafür sein. Es ist trotz Internet immernoch so, auch wenn so viel zugeflattert kommt, dass die Schätze eben darunter untergehen.

    • genau das ist der punkt. wer offen ist, findet immer und an vielen stellen etwas. ich finde jederzeit genug musik, die mich anspricht. ich findes es nur schade, dass aus „unserer“ richtung fast nur noch quark kommt, für den man sich eher schämen muss.

  12. Ja, es ist schon traurig, wenn eine Szene nicht mehr ist, wie sie vor 15 Jahren war, als man in sie hineinkam, von ihr beeindruckt war und den Status quo auch in seinen unangenehmeren Aspekten durchsteigen und genießen konnte, sei es abgedroschene Metaphorik aus dem 19. Jahrhundert, zu lahme Synthiemucke. unreflektierte Texte usw. Nun passiert es doch tatsächlich, dass eine Szene, die sich Toleranz auf die Fahnen schreibt, sich wandelt. Da tauchen eben Metaller, Technos oder sonst (nicht nur musikalisch) irgendwie anders Orientierte auf und beeinflussen einfach weg von jenem Status quo. Daraus folgt, dass diese ihn offenbar nicht verinnerlicht haben sondern nur an der Oberfläche kratzt, nicht ‚hinter die Dinge‘ schauen. Klar, wie soll ein hornschwingender Metaller auch tiefgründige Aspekte wie ‚Schnitte im Herz‘ durchsteigen, wenn er auf Gruftienen schielend Party macht? Wie soll solch ein Metaller überhaupt irgendeine Art von Tiefgründigkeit besitzen, von Individualität ganz zu schweigen – klar, lange Haare, Met, Springer, Bandshirt… muss sich wohl verlaufen haben oder aufgrund einzelner Aspekte hineinschauen. Das Ganze versteht der definitiv nicht und kann folglich auch kein Interesse am Gesamtbild der Szene haben. Dass er vielleicht für sich in Anspruch nimmt dieses Bild zu kennen und in Aspekten (nicht vollständig, sonst käme er wohl nicht) abzulehnen und daher in eine Richtung beeinflussen zu wollen (wie dies vor 20 Jahren auch schon Leute taten, heraus gekommen ist die Szene von vor 15 Jahren), kommt da weniger in den Sinn. Dass er durch einen angestrebten Wandel der Szene vllt sogar mehr Kreativität beweist als jene, die kein Verbesserungspotenzial mehr sehen, sondern nur das Sterben der Szene, noch weniger.
    Soweit die Polemik. Der Metaller dient hier nur als Beispiel. Das Konzept lässt sich beliebig ausweiten. Dementsprechend ist der Wandel auch eine Synthese der Vorstellungen unterschiedlicher Künstler und Klientel. Sich in dieser Synthese eine besondere Kompetenz zuschreiben zu wollen, weil man der Szene für Dekaden angehörte, ist fraglich. Es geht schließlich weitgehend um Geschmacksfragen. Wer plausible philosophische Inhalte in Disko-/Konzertbesuchen, Kleidungsstilen etc. findet, darf sie mir gerne auftragen. Die philosophische Maxime vom sich Abheben von einer oberflächlichen Gesellschaft durch ästhetische (schlimmstenfalls selbst oberflächliche) Urteile und das Verfolgen dieser mit dem Anspruch daraus resultierender Charaktertiefe mutet schon etwas seltsam an.
    Es stellt sich letzten Endes die Frage wer da die starre Masse ist, wenn man dem Szenewandel zu skeptisch gegenübersteht. Ich will hier nicht unbedingt die szenerelativistische Position vertreten, dass jede Form von Einfluss zu begrüßen sei. Aber derartiges Lamentieren über Leute die nun irgendwie anders sind (oberflächlicher, vielleicht hat man aber auch einfach nicht genug hingeschaut) und daher die Szene nicht ändern sondern töten, verdient meinen Einwurf, dass es soo einfach dann doch nicht ist.

    • da hast du einiges in den falschen hals bekommen. es war immer eine stärke der szene, einflüsse von außen zuzulassen. soetwas befruchtet. eine vitale szene hält es auch aus, wenn „oberflächliche“ menschen mittun, die mit ihren kernwerten nicht wirklich etwas am hut haben. allein eine erstarrte szene, die ihr kreativpotenzial verloren hat, tut das nicht. (im übrigen heißt das nicht, dass es in der szene keine kreativen menschen mehr gib. sie setzen ihre kreativität eben nur außerhalb der szene ein.) am ende ist es auch nicht schlimm – kunst, die nicht mehr kreativ ist, verschwindet eben einfach. was man dann allerdings auch schade finden darf.

      • Klar, schade finden darf man so ziemlich alles. 🙂 Mir lag fern, der Szene Exklusivität vorzuwerfen. Ich denke nur, dass die Unterscheidung des Unter-die-Oberfläche-Schauens eine schwierige ist. Die Trennung zwischen Modegrufties und Leuten, die irgendwas verinnertlicht haben, (was eigentlich?) scheint mir schwierig. Woran will man das festmachen? Erstmal müsste man die Kernwerte kennen, dann müsste man wissen, wie diese erkennbar sein sollen, um auch unterscheiden zu können. Wenn man diese Unterscheidung sonst trifft, schwingt halt dann auch im Schadefinden auch etwas Pejoratives mit, vielleicht unbeabsichtigt.
        Meine Idee war eben, einfach den von Dir beschriebenen Wandel als szeneinternen Kreativeinsatz zu sehen, der die Szene weiterentwickelt, statt sie abzutöten oder verschwinden zu lassen. Die Synthese bestünde dann eben darin, die Szene selbst in eine andere Richtung zu beeinflussen, wenn einem ihre Formung wichtig ist. Dafür muss man sich nicht unbedingt auf eine Bühne stellen, die Mittel sind vielfältig, Blogeinträge tuns ja auch.

      • ich beklage das nicht beim publikum. sondern bei den künstlern. wobei mir klar ist, dass der kern des problems daran liegt, dass zu viele macher hinter den bühnenkulissen „big business“ im kleinen spielen und eine szene, die mal alternativ war, mit den methoden und mechanismen der major-industrie durchzogen haben.

      • Ok, verstehe. Bei den aktuellen künstlerischen Entwicklungen bin ich leider nicht so auf dem Laufenden um da qualifiziert mitreden zu können. So kam ich (abgesehen davon, dass ich selbst nur Klientel bin) auf das Publikum:
        „Die Szene verträgt Knicklichtgrufties und gröhlende Met-Trinker. Metaller mit gierigen Dekolleté-Blicken und Emily-Autumn-Girlies. Mode-SMler und Uniform-Fetischischisten. Nur die Summe davon hat sie offenbar auf Dauer nicht ertragen“
        Eins ist mir für die Künstler noch nicht ganz klar: Äußert sich Kreativität in der schwarzen Szene kaum noch, weil die Künstler abwandern oder wandern die Künstler ab, weil sie von Geschäftsmechanismen gehindert werden, zu produzieren? Das eine ist eine Frage mangelnden Potentials in der Szene (auch der Klientel, irgendwer muss die Musik zB ja auch hören), das andere eine von Publkikationsmechanismen.
        „Mir tut das in stillen Momenten weh – weil in dieser unserer Szene so verdammt viel Potenzial gesteckt hat!“
        Heißt das, das Potenzial ist nicht mehr da? Oder heißt es eher, es ist vorhanden, wird aber abgelenkt oder ‚korrumpiert‘? Ersteres kann es ja eigentlich nicht sein, sonst würde es ja nichts Neues in der Szene mehr geben. Jetzt kann man sagen, es gäbe Neues aber das ist schlecht/unpassend/korrumpiert aber dann wären wir wieder bei den zu erhaltenden Kernwerten an denen sich eine solche Wertung orientiert.

  13. Ist das ein nostalgisch-melancholischer Rückblick auf die verlorene Vergangenheit?
    Anders kann ich diese Gedanken nicht interpretieren und ihnen auch nicht zustimmen. Gothic hat sein Herz verloren?
    Nein, denn Gothic-sein ist eine Lebenseinstellung und kein lifestyle, Gothic ist stille, innere Ablehnung der Gesellschaft in ihrer bestehenden Form. Gothic ist Verarbeitung von Schmerz und Ohnmacht. Gothic IST im Herzen jeder/s Einzelnen! Zumindest solcher, die sich nicht aus Profilierungssucht am Wochenende mal „chick“ machen, um aufzufallen.
    Gothic hat eine Seele, eine gewachsene. Vor allem an der Vielfältigkeit gewachsen und mit den Jahren in unterschiedlichsten Facetten detailliert ausgeprägt. Der „Geist“ der Szene lebt und die mittlerweile zahlreichen Veranstaltungen sind Beweis dafür. Das man irgendwann den Kontakt zum Neuen Verliert, ist eigentlich nur menschlich, bedeutet aber nicht, dass nichts gutes Neues mehr nachkommt.
    Klar, die Szene ist geteilt in eher einfachen „mainstream“ und tiefgründigeren „oldschool“. Für hämmernde beats und verzerrte Gesänge braucht es wohl nicht so viel Gefühl beim hören und erleben, andererseits gibt vielen gerade das „auspowern“ auf der Tanzfläche mit Gleichgesinnten den besonderen Kick für einen gelungenen Abend.
    Mir persönlich gefällt abwechslungsreiche Melodie und stimmiger Gesang auch besser, als treibender Bass und monotones Singsang, aber ich schätze ebenfalls die Abwechslung und möchte mich nicht auf eine Bestimmte Musikrichtung oder Epoche festlegen. Jede Richtung/Zeit hat ihre Höhen und Tiefen und unterliegt einer Entwicklung.
    Und der Diskurs über die Entwicklung der „neueren“ Szenebestandteile, wie Cyber oder Steampunk oder der aktuelle Hype beim Neofolk, oder die mtlerweile langweilg (weil entönig) zu lesenden line-ups der größeren Festivals zu Gunsten des „mainstream“, ist ebenfalls allgegenwärtig, zumindest in meinem Dunstkreis. Der Austausch findet statt und fördert die gegenseitige Akzeptanz und Integration in die Szene. Daher entsteht vielleicht der Eindruck der Kritiklosigkeit, doch ist nicht jede Form der Auseinandersetzung mit diesen Themen bereits Kritik? Sie muss ja nicht nur negativ sein…
    Wichtig ist doch, dass ich mich in meinem Umfeld wohl fühle. Dass nicht jeder denkt wie ich oder die Lebenseinstellung: Gothic anders definiert braucht nicht diskutiert werden, dafür sind wir Menschen, meißt (im Geiste) unabhängige Individuen. Und als solche stehen wir in einer immer größer werdenden Gemeinschaft. Die sich immer weiter entwickelt und vermutlich auch immer wieder Neues hervorbringt. Wäre es nicht irgendwann langweilig, wenn es nicht so wäre?

    Zum Schluss noch ein Verweis auf eine neue, relativ unbekannte Band mit viel Potenzial: Sweet Ermengarde. Live ein absoluter Hochgenuss! Stimmiger Gothrock mit wahnsinns Stimme. Wer aus der Region Ruhrgebiet kommt, hat vielleicht schon von ihnen gehört, falls nicht, lohnt auf jeden Fall ein Besuch bei einem kleinen, beinahe familiärem Konzert in der Gegend. Oder dieses Jahr auf dem WGT. Das hat dann auch bei mir den Effekt von nostalgischen Erinnerungen an die Vergangenheit. Aber nicht wehmütig, sondern mit Freude. Denn dieses Gefühl, ein gutes Konzert mit netten, lieb gewonnenen Freunden gemeinsam anzuschauen, kenne ich schon so viele Jahre und möchte es auch um keinen Preis der Welt missen!

    LG Püh

  14. Die Szene ging anfang 2000 dem Ende zu. Man hat es gesehn was der Kommertz gemacht hat. Und auch einige Band´s haben der Szene nicht gutes getarn, als sie auf einmal im Fehrnsehn zu sehn wahren und die Szene mehr oder weniger den ruf versaut haben.

  15. Grausame Töchter?
    Die kleine Mäusefäustchen Möchtegernpöse pseudo BDSM Tussi würde ich jetzt nicht grad mit kreativer Neuinterpretation der schwarzen Szene in Verbindung bringen! Im Gegenteil-

    Die Szene ist sowas von TOT! Nachtmahr, Mittelalterhorste, Szeneclowns, Selbstdarsteller en masse, Modemodeltussis und und und haben sie gekillt.
    Irgendwie auch gut so.

    • ich sage nicht, dass Grausame Töchter die Szene revolutioniert. Aber sie interpretiert das Thema (zu dem man ja stehen kann wie man will) zur Abwechlung mal leidenschaftlich subjektiv und frisch. Dass das auffällig ist, sagt letztlich mehr über die meisten anderen Acts als über GT: Eigentlich, insofern hast Du recht, müsste diese Band im Vergleich eine Durchschnittsnummer sein. So aber genügen elektronisch ein paar subtile Dubstep-Einflüsse, um so weit herauszustechen…

  16. Man gehe in einen Plattenladen und hört sich einfach mal Alben an, die einem vielleicht auch nichts sagen; gleiches macht man mit Konzerten. Und besucht Parties, auf denen auch abseits des „schwarzen Mainstreams“ geile Musik gespielt wird. Et voila: Bands wie „Blue Angel Lounge“, „Trust“, „Velvet Condom“, „She Past Away“ und und und verbreiten nach wie vor das, was angeblich verloren gegangen schien. Es ist noch da. Man muss nur rumschauen und sich die Rosinen des Grufti-Kuchens herauspicken. Und war es jemals einfacher als heute zu Zeiten des Internets? Man googelt, chattet und stöbert auf youtube und wenn man seine Zeit nicht nur vorm Rechner verbringt, sondern auch mal wieder unter Leute geht und sich mit Gleichgesinnten trifft und nicht über alles meckert und mit dem „früher war eh alles besser“-Gedanken losmarschiert, wird man merken, wie dunkelschön noch so vieles ist.

  17. Hat dies auf Rapid Eye Movement rebloggt und kommentierte:
    Als junger Hüpfer (btw ich bin 17) der schwarzen Szene, der sich allerdings als einer der wenigen noch mit den Wurzeln der Szene beschäftigt und sich nur durch das Wissen um die Wurzeln überhaupt der zene zuordnet, macht mich das genau so traurig, wie euch alte Hasen. Ich fand die anderen „alten Hasen“, die ich persönlich kennen gelernt habe aber immer sehr kritisch und reflektierend. Was fehlt ist für mich der KOntakt zwischen den Genertionen. Die „alten“ kreieren, die jungen folgen nur wie alle Jugendlichen unserer Zeit. Und so traurig das auch ist, es ist veränderbar. Jeder von denen, die die alten Werte noch hoch halten und um sie Wissen, sollte anderen seine Welt zeigen – nicht bekehrend, aber erlebend. Damit die Szene wieder lebens- und liebenswerter, lebendiger wird. Es gibt noch junge Menschen wie mich, die an diese Szene glauben. Also gebt sie bitte nicht auf! 🙂

  18. Nun ich denke und hoffe dass die erwähnte Sättigung in einiger Zeit dazu führen wird, dass sich die ,,Szene“ von selbst reinigt, verkleinert und damit auch wieder ein frischer Wind wehen wird. Irgendwann wird alles da gewesen sein, alle Extreme ausgelotet und für die vielen Mitläufer wird es zu langweilig werden, so dass sie sich eben zurückziehen. Der Kern wird sicherlich bleiben und hoffentlich wieder zu alten Idealen zurückfinden.

  19. Sei nicht traurig kleiner Meisenmann…

    Wer die Szene will, der muss sie heute zwar suchen aber wie Kämpfer schon sagte findet man sie durchaus. Versteckt. Im kleinen. Aber lebendig. Sowohl in Form von guten Partys, als auch in Form alter wie neuer Künstler, die sich noch Mühe geben und lieber selbst ein Label gründen als sich bei einem bekannten Label zu prostituieren, wie das viele der oben genannten „Szene-Musiker“ tun. Nur hat das ganze dann nicht mehr viel mit dem Ungeist der Plastik-Goffs der ausgehenden Neunziger zu tun sondern mit der Szene wie sie davor war und irgendwo immer noch ist. Komm doch einfach mal vorbei 😉

  20. Ach heul doch! Als ich 98 mein ersten Internetanschluss geholt habe war das auch noch ne „Szene“; heute is jeder Hinz & Kunz im Netz und der Flair „ein Freak zu sein ist dem normalen gewichen.. Electropop, Darkwave e.c.t. gab es schon vor der schwarzen Szene und wird es noch geben wenn der Letzte von uns unter der Erde liegt.. Kulturen (auch Subkulturen 😉 ) kommen und gehen und irgendwann gibt’s ein Remake..

      • Der Goth macht die Musik, die Musik jedoch macht einen noch lange nicht zum Goth. Was ist dann die Aussage der Musik, wenn es keine Goths sind? Wie definiert man dann die Musik, ist es dann noch DARK-Wave? Es wäre für jeden der sich in den jeweiligen Kreisen bewegt zunächst ratsam, sich mit der Geschichte zu beschäftigen, Stichwort Punk, Depro und Post-Punk in Verbindung mit New Wave und die damit einhergehenden Ideologien im Bezug auf die Goth Szene.

  21. All die Bands im Posting sind so neu …

    Für mich war Sisters of Mercy mein erster Kontakt zu Gothic, und bis heute die Definition in Sachen Gothic-Musik (die Platten vor Vision Thing, das war die kommerziellste und vermutlich deswegen auch letzte).

    Einer meiner Favoriten:

  22. Ich vermute diese Szene zog so viele an weil sie solange im stillen existierte und scheinbar schon tot in den 90ern wiederbelebt wurde. Es war dem Normalo noch seltsam und unheimlich und es gibt tatsächlich auch heute noch einige wenige die das so sehen. Doch das anders sein lockte Menschen aus allen Richtungen an und sie wurden toleriert. Denn nur wenige blieben die sich als gleichgesinnt betrachteten. Doch ich Schwarzseher ^_^ denke das es vom Mainstream nicht akzeptiert wird das es eine Szene gibt die nicht verkommerziellisiert werden kann/will. Wo immer sich etwas neues findet wird es zu Geld gemacht. Plötzlich war Schwarz die Modefarbe,plötzlich gab es in Stinoläden Rüschenhemdchen usw. Klar das es angenehm war endlich bezahlbare Klamotten zu finden und doch war da der bittere Beigeschmack. Inzwischen sind sogenannte Szeneläden so teuer das es weh tut und stets aufs neue frage ich mich warum Rosa? Das Schwarz wurde immer bunter,die Musik Massentauglich und die Leute Wochenendgothics. Gothic ist…halt nein war einmal voller Klischees,heute werden sie fast alle abgelehnt. Selbst das Schwarz scheint manchem überflüssig! Aber machen nicht eben Klischees diese Szene oder jede Szene aus? Friedhöfe, Schwarze Kerzen, Fledermäuse,Dokus. über Serienmörder,Tod als Thema,Magie,Rituale,Heidentum. Ich liebe es und lebe es und ich träume davon das die jenigen denen das noch was bedeutet eine Szene abseits der Szene werden,wieder im Untergrund,die dark Side of Gothic. So und jetzt geh ich Sopor Aeternus hören 😉

  23. Ich komme noch aus einer Zeit in der Ich Grufti genannt wurde und nicht Gothic.
    Und als solcher habe ich und tue es auch immer noch andere Musik als Gothics.
    „Was war bleibt!“

  24. Ich kann jetzt nicht sagen, ob das ein Trost ist oder nicht, aber mir scheint das eher der berühmt berüchtigte „Zeitgeist“ zu sein. Es trifft so viele Bereiche. Wie schon in anderen Kommentaren erwähnt verhält es sich mit der Metal-Szene wenig anders, aber auch im Bereich der Computerspiele hat dieser Trend Einzug erhalten die Seele zu nehmen und die Hülle zu lassen. Es stört so wenige, weil sich so wenige die Zeit nehmen hinter die Fassade zu schauen. Stattdessen hetzt man von A nach B um hier noch dabei zu sein und dort noch einen Termin wahrzunehmen. Der Blick für Details oder auch das Schöne im Alltäglichen geht zunehmend verloren. Wie im Artikel beschrieben ist es oft nur ein „Das-wurde-doch-schon-immer-so-gemacht“ kein „warum eigentlich?“. Ich denke schon dass die Frage nach der Ursache wichtig ist, nur dann kann man sich Gedanken machen, was zu ändern ist, welchen Weg man gehen kann – oder ob man überhaupt einen Weg gehen kann. Frei nach dem Gelassenheitsgebet:“ Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Ob das nun Gott ist oder nicht sei dahingestellt. Für mich liegt die Hauptursache in der Kommerzialisierung, bzw. schlichtweg im Kapitalismus. Es geht nur noch um die Gewinnmaximierung in allen Lebenslagen. Als Architekt bin ich davon auch betroffen – es geht nur noch um möglichst viel m² für möglichst wenig Geld. Räume und Blicke werden unwichtig.

    Leider gibt es kein besseres Alternativmodell. Kommunismus wird immer eine Illusion bleiben, da der Kapitalismus zu sehr in jedem einzelnen von uns verankert ist.

    Jetzt habe ich doch deutlich mehr geschrieben als ich eigentlich wollte. Zusammengefasst bleibt -wie Eingangs schon geschrieben – die Aussage: Das scheint die Zeit zu sein in der wir leben und auf Sicht werden wir das nicht ändern können. Wir können uns nur Inseln bauen und darauf zurückziehen und uns zeitweise aus der „Gesellschaft“ heraus nehmen. Den Schwarm zu wenden dürfte nicht gelingen.

    Danke, dass ich mich hier auskotzen durfte.

    • ich finde schon dass eine der hauptursachen kritiklosigkeit ist. Ich fand es immer gut dass in unseren Szenemagazinen Häme und Spott als Mittel der Unterhaltung tabu waren und man sich um freundliche, offene Betrachtung bemühte. Anfangs. Doch das führte eben dazu, dass nirgends auch mal die Spreu vom Weizen getrennt wurde, weil man das Besondere mit dem Durchschnittsbrei in einen Topf warf. Ich sage: In einer halbwegs kritischen, qualitätsbewussten Szene hätte eine Band wie Mono Inc. keine Chance. Weil solche Bands aber eine Chance haben, fallen sie massenhaft über uns her. Weil sie im Wesentlichen nur ihre Marketing-Instrumente haben, bedienen sie diese viel besser als Newcomer, die vor allem erstmal nur auf ihre Musik und nicht auf das Drumherum achten. Das trifft auf einen Background von Szenemachern, die genau auf dieses „Vermarktungsmöglichkeit“ Wert legen. Die Folge: Mit der Musik muss man sich nicht so eine Mühe machen, der freundliche Grufti (jedenfalls als Masse) kommt erstmal zum Bühnenrand und schluckt jeden Scheiß. Das ist über Jahre passiert. Das Ergebnis: Siehe die Headliner der Festivals heutzutage.

      • Um Kritik üben zu können bräuchte man Zeit sich mit der Sache zu befassen und Zeit ist Geld – am Beispiel der Magazine ist es sicherlich viel einfacher Pressetexte der Labels/Bands zu kopieren, vielleicht noch ne Einleitung zu schreiben, als selbst zu recherchieren (über Wikipedia hinaus). Sprich man hat in weniger Zeit Seiten gefüllt und die Gewinnspanne maximiert. Ich kenne die entsprechenden Szenemagazine zugegebenermaßen nicht wirklich und ich will jetzt nicht pauschal den journalistischen Ehrgeiz absprechen. Das ist eher eine These. In dem Punkt, dass keine oder eher zu wenig Kritik stattfindet sind wir uns einig.

      • zeit ist nicht nur Geld. Sondern auch Herzblut. Engagement. Früher musste man Hefte drucken – heute wäre es im Internet viel leichter, gute Inhalte zu verbreiten. In anderen Szenen passiert das auch – nur bei uns, die wir doch ach so kreativ sind, leider kaum. Ich weiß, Papier ist pdf vorzuziehen – aber ich ziehe mittlerweile einen guten Gedanken auf Twitter den von Dir zitierten, aus Pressetexten zusammengeschluderten inhaltsleeren Druckerzeugnissen in Telefonbuchstärke mit x DVD-beilegern vor. Inhalt vor Medium… 😉

      • An Cornelius, wenn es nur die Zeit oder das Geld wäre bei den Magazinen.
        Es ist die Macht der gewonheit und der Weg des einfachsten Widerstandes, schließlich bekommen Magazine promo Material von Labels und wenn du dann eine CD schlecht bewertest kann das Konsequenzen haben, von nem Veriss ganz zu schweigen.
        Wenn ein Jungautor sowas bringt wie eine schlechte Bewertung sagt die nächst höhere Position sowas können wir nicht drucken das musst du ändern.
        Was bleibt ist Kritik durch die Blume wenn überhaupt.
        Die Wandlung von Journalismus als eigene Instanz zu eine Werbeinstrument kam schleichend aber er kam.
        Im bereich des Videospiel-Journalismus ist es genauso dramatisch, wenn nicht sogar noch schlimmer. Da gibt es gerne mal von den verlegern der Spiele Anrufe wie kann man so eine Wertung von nur 80/100 Punkten geben statt 90+/100… Die Anzeigen schaltung von 5000€ müssen wir uns bei ihnen nochmal überlegen… Ende vom Gespräch.
        Das Bewertungssystem ist mittlerweile so als absurdum abgetan worden das Verleger Bonuszahlungen auf einen Wertungsschnitt verteilen.
        Bei solchen Zuständen kritischen und ehrlichen Journalismus hin zu bekommen ist nicht einfach und erfordert Mut. Sicherlich wäre Online viel möglich doch rechtlich ist vieles garnicht so einfach besonders im Bereich-Musik.

  25. Ach Gott. Es kommt doch darauf an, was mensch draus macht. Früher war die „Szene“ eben einfach überschaubarer. Stilbrüche gab es Ende der 70er (als Entstehung des Ganzen) über die achtziger hinein in die neunziger bis eben heute. Warum werden die genannten Soap&Skin oder Chelsea Wolff nicht einbezogen? Viele Protagonisten hatten sich selbst doch nie als Teil der Szene gesehen – die Szene hat sie einfach zu ihrem Bestandteil gemacht.
    Ich mag dieses Gejammer nicht. Heute bestehen für viele mehr Möglichkeiten der Teilhabe – ob nun mit Musik oder sonstiger „Kunst“. Viele sollten es vielleicht auch einfach bleiben lassen. War die Szene früher Essenz der Individualität – ist sie heute massentauglich, kommerzialisiert. Es gibt Leute, die verdienen ihr Geld damit, Individualität den Konsumenten vorzuheucheln. Was solls. Ich für meinen Teil trage immer noch am liebsten schwarz – allerdings nur noch selten. Beschäftigen tue ich mich trotzdem mit all dem phantastischen, abgedrehten und obskuren Dingen der Welt, wie schon vor 25 oder 30 Jahren (huch, schon so alt?). In vielen Dingen belächele ich die „Szenegänger“ von heute. Zu Pfingsten gehe ich ganz gern mal „Gruftiesgucken“, lauschen hin und iweder den Klängen dort und bin auch neidisch über die Möglichkeiten der heutigen Szene.
    Ich bin aber offener als vor 25 oder 30 Jahren. Nicht mehr engstirnig auf die Szene fokusiert. In vielleicht ist genau das das „Problem“ manches Szeneverliebten. Man iust toleranbter geworden gegenüber anderen Stilen und findet auch noch gefallen daran. Plötzlich merkt man, he da ist was tolles aus einer anderten Richtung. Warum gibts das in „meiner“ Szene nicht. Alles nicht so schlimm. Mit dem Alter kommt die Reife. Mancher verlässt dann diese Szene nach der Adoleszenz wieder. Andere verpassen den Absprung 😉 – können sich aber arrangieren. Also Kopf hoch – alles wird gut!

  26. viele klingen hier ziemlich gefrustet- meine meinung…auf welchem stern lebt ihr denn? die 90-er sind ein viertelstes jahrhundert her….übereinstimmung erkläre ich meinerseits mit ‚pühree‘- das trifft’s auf den punkt..
    was habt ihr denn gegen ein chicimickymausüberangebot zu wettern? davon muß man sich doch nicht beeinflussen lassen, sabrina war mir in den 80-90-er jahren, oder wann das war, auch völlig wurscht!!!
    i- net is nun heutzutage mal nich mehr wegzudenken, als infoquelle und tür neue ‚DINGE‘ zu entdecken unverzichtbar…
    ich verurteile die highprint magazine der gegenwart nicht: sie interessieren mich so viel wie die bild-zeitung. die liegt auch an allen ecken rum und ich kaufe sie nicht. bestimmt das mein leben? SICHER nicht…
    und: noch was fix hier her geklimpert: das wgt is ne institution- wer abseits der agra sucht der findet nach wie vor! uns zwar altes UND neues…
    rumjammern ist wenig hilfreich, aussage und auftreten einzelner bands wie immer ansichts- und geschmackssache- vergesst die eigene kreativität nicht!
    SCHWARZ IST DIE BUNTESTE ALLER FARBEN..

  27. Ach, unsere arme Szene…
    Stop!
    Vorab muss ich betonen, dass ich Kritik an Oberflächlichkeit, Verdummung, Kommerzialisierung damit nicht ausschließe. Im Gegenteil.
    Aber…
    Ich komme mit diesem Begriff „die Szene“ einfach nicht klar. Auch in den 80ern war „die Szene“ ein Murksmischmasch an allen möglichen Musikrichtungen. Und da ja gerne alles gedeckelt wird, „vereinisiert“ – bekam diese Tendenz zur Melancholie und „Vergeistigung“ dann mal einen Namen. Das bedeutete aber noch lange nicht dass dieser Name denn erfolgreich das was man benamen wollte beschreibt. Wie denn auch? Vielleicht war es ein Bruchteil einer Sekunde nur indem jemand das „wir“ gefühlt hat – und dann entwickelt sich alles weiter.

    Ach ich bin sie so müde, diese Rumweinerei. Ich meine Gruftis hat es schon immer durch alle Jahrhunderte gegeben. Sie kleideten sich nicht stereotyp, so wie es unserem aus den 80er oder 90er geprägten Muster entspricht. Aber manch ein Autor / Musiker / Schausteller aus dem 18. oder 19. Jh war gruftiger als es ein Superauthentischer Gruftie aus den 90ern je sein könnte. Und darum habe ich keinen Respekt vor „der Szene“, was sie „mal war“ oder was „sie sein könnte“ nullinger. Denn alle Defizite die ich unter den Leuten und in der Musik, in der Kunst wie auch bei Veranstaltungen sehe, erkenne ich als grundsätzliches Defizit des Menschen alles vereinfachen, überschaubar machen zu wollen. Und das geht hervorragend mit Stereotypisierung.

    Ich bin froh, dass es echte Gruftis gibt! Wie die in bunte Strickpullis klavierverzaubernde Lisa Morgenstern. Oder die eher sepiafarbene Anja Plaschg/Soap&Skin. Oder das schwarzpompösgerüschte Adversus. DA spielt die Musik und die hat schon IMMER in Ecken und dunklen Winkeln gespielt. Das wird sich nicht ändern, weil die Masse es nicht will. Und vielleicht ist das auch gut so, denn für leise, besondere Töne braucht es besonders aufmerksames Hören um selber besondere Töne zu erzeugen. Und dazu ist nicht jeder fähig.

    Sollen die heulen gehen, die ihre Energie in Heulen verschwenden wollen.
    Ich mach lieber Kunst! Und es ist scheißegal, ob es „Szene“kunst ist oder nicht. Ob darin Melancholie und Vergeistigung zu finden ist bleibt dem Empfänger überlassen.

    sedaRt

  28. Nur wer Toleranz Grenzen setzt, weiß Freiheit zu schätzen. Toleranz heißt Duldung, nicht aber Akzeptanz. So duldeten wir eben in Offenheit alles was da einströmte, die Revolution fraß ihre Kinder, die Toleranz brach uns das Genick. Für was haben wir gestanden und wo waren wir dagegen? Wenn das wogegen man ist sich auflöst oder eine Form annimmt die nicht mehr der Kritik entspricht, so verliert jede Bewegung ihre Daseinsberechtigung, man wird zum Schatten. Geld macht gefügig, verklärt die Sicht, den Geist, den Gedanken und am Ende, ist man nicht besser als das was man kritisierte. Neben aller Kritik und Klagelieder der Alten fehlt jedoch das entscheidende, eine Lösung, ein Weg der uns dicke Couchanarchisten eine effektive Handlung vorgibt. Im Prinzip bestätigt sich abermals die Systemtheorie nach Luhmann und Actor-Network Theory ja, Hybride bleiben Hybride, sie nehmen nur neue Formen und passen sich den Gegebenheiten an. Nüchtern, nicht schön aber leider ein Fakt. Danke für euren Text, schön zu wissen nicht allein mit dieser Resignation zu sein.

    • das mit dem gebrochenen Genick ist ein etwas schiefes Bild. wir haben uns in der bedeutungslosigkeit aufgelöst… wobei die Frage ja immer auch ist, wo man selber steht. Da muss ich einfach Casper zitieren: „teil der lösung oder teil des problems“?

      • Leider lässt sich die Frage wo man selbst steht nicht einheitlich oder trennscharf beantworten, weil das Kollektiv eben keine klaren Grenzen zieht. Natürlich, ich kann für mich sagen, dass die Szene ein einziger schwarzer Ballermann geworden ist in dem ich mich nicht mehr gerne aufhalte und wo es nur noch wenige Künstler gibt die als Banner einer geschlossenen oder kritischen Meinung auftreten. Ich weiß, wer zum BE Team gehört sollte sich nicht zu weit aus den Fenster lehnen, ich bitte an dieser Stelle um Entschuldigung.

        Wie Oliver Uckermann schon mal so schön meinte „Und leider ist nicht alles Tief was schwarz ist, Scheiße nein“.

        Wie könnte eine Lösung aussehen? Kreuzfeuer in den eigenen Reihen, reflektierte Kritik gegen sich selbst, den Goth oder was man als solchen heute definiert. Ich meine, Oswald tat das, meines Wissens, auch in den Lesungen recht oft und doch, es ist ein Streben gegen eine Lawine. Wie also effektiv umsetzten?

      • ich muss zugeben dass ich BE i.d.T. eher als Teil des problems sehe und nicht als Teil der Lösung. Aber, und das war im ursprünglichen Text sehr ernst gemeint: Das Problem ist nicht das Einzelphänomen. Die Szene hält flache Bands aus, auch schlechte. Kein Mensch will in jedem Takt Musik Tiefenphilosophie betrieben haben. Es dar germn anstrengend sein, ebenso gern aber auch locker. (Alles andere würde ja heißen, es gäbe eine allgemeine, verbindliche Definition von „gut“, imcl. offiziellem Qualitätstest. Brrr!) Das Problem ist, dass es fast nur noch solche Bands gibt – und da haben BE eben vorgemacht, wie super sich in der Schwarzen Szene das Brett an der dünnsten Stelle bohren lässt…

    • Du hast jetzt nicht wirklich die Systemtheorie und die ANT in einen Topf geworfen? .. Schande..!
      Zum Thema:
      Als ich das eben durchgelesen habe, musste ich sofort an Bruno Latour denken. Er schreibt in seinem Werk „Wir sind nie modern gewesen“ folgendes:
      „[…]wenn unsere Tageszeitungen all diese Monstren seitenweise vor uns ausbreiten und wenn diese Chimären sich weder auf der Seite der Objekte, noch auf der Seite der Subjekte, noch in der Mitte zu Hause fühlen, muß wohl oder übel irgendetwas geschehen. Alles sieht so aus, als wären die beiden Pole der Verfassung zuletzt miteinander verschmolzen, und zwar gerade aufgrund der Vermittlungspraxis, die von der Verfassung freigesetzt und gleichzeitig geleugnet worden ist. Es sieht so aus, als gäbe es nicht mehr genug Richter und Kritiker, um die Hybriden einzuteilen. Das Reinigungssystem ist genauso überfordert, wie unser Rechtssystem.“
      Diese Formulierung im obrigen Text. „[…]Nur die Summe davon hat sie offenbar auf Dauer nicht ertragen“ hat mich so an diese Chimären, diese Monstren erinnert die Latour als hybride Identiäten darstellt – und genau DAS ist doch das Problem der Szene: Hybridität- Menschen, die wir nicht einordnen können, die die Szene verunreinigen. Latour würde das als das klassische Problem der Moderne ansehen, was wir überall in der modernen Gesellschaft wiederfinden (Was einmal mehr beweist, dass die Szene auch nicht mehr als eine Gesellschaft in der Gesellschaft ist und sich mit denselben Problemen herumschlagen muss wie jedes andere Gesellschaftssystem auch). Und genau wie ihr es hier so schön formuliert: Zu viel Hybridität kann ein System nicht ertragen – In diesem Fall kann die Gothic-Kultur sich nicht mehr von den Einflüssen anderer Kulturen, Systemen oder wie man es nennen will, reinigen. Latour findet sowas gut – denn jede Grenze ist nicht mehr als ein soziales Konstrukt und die Wirklichkeit dahinter ist ohne Grenzen sprich: Gothic ist, wie der Begriff Subkultur schon sagt: Kultur, nicht Natur! .. Ich hoffe ihr versteht, was ich sagen will, ansonsten führe ich das gerne noch genauer aus.
      Also haben wir zwei Lager: Euren (oder unseren?) der trennscharfen Szene, die sich recht faschistisch rein halten will und den der alles-Gleichmacher, der Welt der Chimären oder hier: Knicklichtgrufties (um es mal ganz salopp auszudrücken). M.E. beides keine guten Alternativen. Daher will ich meine Haltung demgegenüber darlegen um vielleicht eine alternative Sichtweise auf die Problematik bieten zu können:
      Jedes System braucht für seine Existenz, für seine Trennschärfe nicht nur die Umwelt (@ BE Admin:repektive Luhmanns Theorie geschlossener Systeme 😉 ), sondern auch einen kleinen Rest an Anarchie, an den Dingen, die nirgendwo reinpassen. Die Monstren, die irgendwo zwischen Gothic und Mainstream sind. So, wie eine trennscharfe Unterscheidung zwischen Gothic und Normal als Ausgangspunkt von Nöten ist, um eine Vermischung zwischen beiden feststellen zu können, braucht das System Gothic, sowie das System Normal nicht nur sich einander, sondern auch die Hybride, denn sie erst machen den Unterschied zur trennscharfen Unterscheidung und damit genau diese möglich. Durch sie können wir die Unterscheidung unterscheiden! Oder anders/allgemeiner gewendet:
      Die Szene lebt! Hier, jetzt ist das System Szene vorhanden, sonst gäbe es Lager wie dieses, Überlegungen und Texte wie diese und andere nicht.. war es denn jemals anders? Es gab doch schon immer Poser, Blümchen-Rocker, Plastik-Grufties. Was ich sagen will: Auch die sind dafür verantwortlich das die Szene ist, was sie ist, weil sie Gegenreaktionen, Autonomie, Selbstreflexion und Selbstreferentialität in der Szene fördern, weil sie den Gegenpol dafür schaffen. Den notwendigen Gegenpol um Reflexion möglich zu machen. Das hier, diese Überlegungen, diese Überlegungen die einen auch wieder zum Kern der Szene zurückführen – den Kern bewusst machen, die sind erst so möglich geworden, weil wir diese Beobachtung der Unreinheit gemacht haben und Reinheit produzieren wollten. Dabei ist nicht Reinheit das Erstrebsame.in diesem Kontext. sondern das Streben selbst – durch Unreinheit.
      So.. und nun muss ich gestehen, dass ich noch nie in meinem Leben Musik von euch gehört habe. Mir wurde der Artikel einfach nur verlinkt. Macht ihr gute Musik? (:

  29. Schöner Artikel. Ich finde auch, dass die Szene totlangweilig geworden ist. Ich trauere nicht so sehr, weil ich mir meine Inspiration halt andernorts hole. In „normalen“ Szenediskos fühle ich mich schon lange nicht mehr wohl, genauso wenig wie bei den typischen Festivals. Das WGT bietet Dank seiner Vielfalt zum Glück genügend Nischen. So fand ich im vergangenen Jahr Espen & The Witch richtig geil.
    Ich denke, es ist gerade (sorry, wenn ich Dich da einbeziehe) gerade für uns alte Säcke traurig. Ich sehe es auch im Freudneskreis – eigentlich kann man sich nicht zurückziehen, denn der Nachwuchs übt sich in großen Teilen im Reproduzieren von Klischees. Der Altersdurchschnitt bei unseren Partys ist leider Ü30, die Jüngeren rennen überwiegend zur Gothic-Schlager-Parade oder zum Dunkel-Techno in Großraumdiskos…

    • ich sehe halt, was für spannende, frische Sachen junge Menschen aus anderen Szenen machen. Auch wenn ich das stilistisch nicht mag beeindruckt es – sowas wäre halt in der Schwarzen Szene schön…

      • Ist doch gar nicht so schlimm bei den Schwarzen! Hier sind doch schon etliche Namen gefallen, die wunderbare neue Musik machen. Und die wunderbar auch unter diese Szene subsumiert werden können. Stilistisch äußerst vielfältig. Ich bin da gar nicht so bange, wegen einer Weiterentwicklung dieser Szene. Heute gibt es einfach zu viel von neuem Material. Vieles ist qualitativ auch bedenklich. Aber es gibt auch genügend Perlen darunter. Und ich danke wem auch immer für das Internet. Die Verbreitung solcher Kostbarkeiten wäre sicher nicht bis nach JWD gelangt (um mal eine positive Seite der „Vielfalt“ zu beleuchten)!

  30. Ich empfinde den Wandel als gut. Die Szene ist offener geworden, hat viel mehr zu bieten als noch vor 20 Jahren, es ist für jeden was dabei – egal ob er auf elektronische Musik steht oder doch das ganze rockiger mag.
    Das einzige was mich stört, ist der Drang nach vergangenen Zeiten… Die 80er – sie waren gut, aber da sollen sie auch bleiben. Als DJ freue ich mich immer frische & neue Sachen zu spielen, ein wenig dazu beitragen was aktuell angesagt ist und das Horizont mal zu erweitern, ohne zu sehr auf den Mainstream zu zielen… Leider sehen die Veranstalter dies anders – da wird nur 08/15-oldschool-Grütze gefordert, die schon seit mindestens 20 Jahren jedem auf den Sack geht, der sich in Clubs reintraut…

    • es geht nicht um new- oder oldschool. ich denke das braucht man beides: Wurzeln und Flügel. Es geht um Frische. Energie. Ich nehme mal nicht an dass Du so cool bist und Skrillex auflegst? 😉 „Leaving“ ist sehr dunkel, z.b… oder Ill K…

      • Ich lege Aggrotech, Dark Elektro, IDM, Rhythm`n`Noise und ähnliches auf. Also krachig, sehr sehr gerne technoid und auch gerne das, was die Goths über 30 schlagartig den Raum verlassen lässt. Natürlich nicht nur das, ich bin aber auf diesen Sound spezialisiert und bin jedes Mal verärgert wenn auf mixed Events die Leute mit dem 80er Zeugs kommen. Wäre das Thema 80er, wär`s ja klar – wär ich auch nicht dort… Aber alles frische & aktuelle verteufeln und nur das ewig alte hören, weil es ja so viel besser (sic!) ist…

      • naja… die „heiße Phase“ der von Dir beschriebenen Genres ist ja auch schon eine schlappe Dekade her. Mindestens. Gerade in der elektronischen Musik gibt es doch einige neue Entwicklungen, gerade durch die seitdem entfesselten Möglichkeiten der Klangerzeugung. Gegen das Energielevel von Skrillex kann Combichrist einfach nicht anstinken, die wirken auf mich im Vergleich nicht weniger „staubig“ als 80er-Kram im Vergleich zu Agonoize. Ich mag Sachen wie Winterkälte sehr… aber das nennst du 2014 doch nicht wirklich „frisch“?

      • Nö, die Sachen sind nicht so frisch. Mischung aus Rhythm`n`Noise, IDM & Dubstep ist aktuell angesagt, da gibt es genug frisches Blut und immer mehr neue Einflüsse. Ich meine das allgemein – neue Releases ziehen in Clubs nicht.
        Wenn Ich techno oder house auflege und Promos spiele die nur wenige Leute haben – geht alles ab. Und wenns dark elektro ist, gehen alle runter, sobald der Track unbekannt ist.
        Und gerade Brostep wie Skrillex hat nicht viel Qualität, die Tracks sind mit Limiter & Kompressor derart zerquetscht, da macht hören keinen Spaß…

      • nicht jeder Brostep ist gut, aber nenn mir ein Genre wo alles gut ist. Das mit der Kompression ist auch ein allgemeines Problem und nicht Genre-spezifisch. Skrillex hat aber eine enorme Qualität, sorry. Was der mit 22 alles ausgetüftelt hat ab Null… Die chaotische Art zu filtern, zu zerlegen und neu zusammenzubauen… DAS ist frisch. Für mich ist der Mann Liam Howlett 2.0 😉

      • Er ist aktuell aber auch leider zu einer Popikone geworden mit all den Nachteilen – es ist kein „underground“ mehr in dem Sinne. Die chaotische Art ist auch weder neu noch frisch – die gabs bei IDM und noch lange davor beim Industrial, welcher noch experimenteller war als brostep es je sein könnte.
        Darum gehts aber auch nicht.
        Mir gehts hauptsächlich um die Szene, die extrem langsam ist in der Entwicklung und auch genau so extrem an dem Alten hängt. Selbst im Technobereich sterben Musikrichtungen aus und die Szene verändert sich – bleibt dabei aber immer aktuell, experimentierfreudig und trennt das alte sehr gut von dem neuen – auch musikalisch auf den Events. Das ist das was mich fasziniert und auch das, was mich bewegt hat, in dem Bereich aufzulegen und eventuell was zu ändern. Was sich als extrem schwer gestaltet da sich die Gäste dagegen wehren mit allen Mitteln…

  31. Interessanter Artikel! Regt zum Nachdenken an. Vor allem für jemand wie mich, der mal eher durch Umwege in diese Szene reingeraten ist. Ich hatte in der Zeit das Gefühl, dass in dieser Szene jede Musik-Richtung, die gerade nicht mehr in oder nicht mehr kommerziell vermarktet wurde, ihren Platz fand. Da ich eigentlich eher vom kommerzielleren Teil des Synthie-Pop und Wave der 80er in diese Szene gerutscht bin, bin ich wohl auch einer dieser in der Szene „Geduldeter“ Jedoch habe ich in dieser Zeit eben durch diese Szene auch ein musikalisch ziemlich breit gefächertes Spektrum an Bands kennen gelernt, die ich ohne diese Szene gar nicht kennen würde. So wurde ich zum Beispiel zum Anhänger (Fan will ich mal nicht sagen) der Bands Samsas Traum und ASP (die ja auch beide in diesem Artikel erwähnt werden. In den letzten Jahren musste leider auch ich feststellen, dass die Szene immer kleiner wurde und sich mehr in Richtung Electro entwickelte. Nicht, dass ich was gegen Electro habe, auch das höre ich ab und zu gerne, aber ein ganzer Club-Abend gefüllt damit, ist mir halt einfach zu viel. Aber auch ich selbst habe mich wohl verändert. Ich kaufe immer noch die neuesten Erzeugnisse von ASP und Samsas Traum, jedoch finde ich zumindest zu den neuen Alben nicht mehr wirklich den Draht. Auf den alten Alben dagegen gibt es immer noch Songs, die mir persönlich sehr viel bedeuten, da sie mir in einer Zeit geholfen haben, als ich in einem psychischen Loch war. Naja, grundsätzlich könnte man über das Thema ewig debattieren. Wir werden wohl abwarten müssen, was weiter passiert. Normalerweise gibt es doch fast von allem, was es mal gab, noch einmal eine Renaissance. Warum also nicht von der ursprünglichen Gothic-Szene? Also, nur nicht die Hoffnung aufgeben!

  32. Die Frage ist doch, ob es jemals DIE Gothic-Szene gegeben hat. Ich denke nicht. Der Text bringt eher zum Ausdruck, dass der Autor einer für ihn schönen Zeit hinterhertrauert, die nunmal vorbei ist. Und klar wird es irgendwann seltener, dass einen eine neue Platte total umhaut. Man hat mit der Zeit eben so viel gehört, dass Überraschungen rar werden. Vielleicht sollte sich der Autor nicht so auf das Label „Gothic“ versteifen, sondern das tun was er in dem Text selbst vorschlägt: Ausserhalb erstarrter Rituale schauen. Man muss sich doch nicht immer in Schubladen stecken.

    • es geht nicht um „nachtraueren“. es geht darum, dass Rituale vor dem Erstarren etwas bedeutet haben. Einfach wegwerfen nur weil etwas nicht mehr so gut/gar nicht mehr funktioniert? Ich weiß nicht. Vor allem ist es definitiv schlecht, es ohne Bedauern einfach wegzuwerfen – oder?

      • Wer nichts zu bedauern hat, hat das gute an der Sache nie gesehen oder für sich nicht als wertvoll erachtet. Jede Szene oder Kollektiv hat einen ideologischen Ursprung, sich darauf zu besinnen trägt zum Erhalt und der Glaubwürdigkeit bei. Es gilt also die ersten Stunden der Szene in Deutschland und Europa ein wenig genauer zu betrachten und sich dann die Frage zu stellen ob es das seine ist oder nicht.

      • Es gibt keine flexiblen Rituale. Da liegt ein Widerspruch in sich.
        Rituale sind an sich starr, sonst wäre die Handlung nicht ritualisiert.

        Insofern ist zumindest für mich als Künstler ein Ritual schon hinterfragenswert, denn da bewegt sich nicht mehr viel.

      • Ich fürchte das ist ein Denkfehler. Rituale sind nur von außen betrachtet starr. Sie haben aber eine Funktion, einen Sinn, können etwas bewirken. Das ist gemeint. Oder aber, man spult ein Ritual nur noch leer um des Abspulen willens ab. Man tut es, weil man es tut – nicht seines ursprünglichen Sinnes wegen. Dass nenne ich dann „starres Ritual“. Anders ausgedrückt: Es kommt bei dem Satz „Ich liebe Dich“ nicht darauf an, ob man ihn sagt – sondern ob man ihn spürt und meint.

  33. danke für die Worte! Durch unser Kind hatte wir die letzten jahre kaum Gelegenheit mal wieder auszugehen.. jedoch 2-3 mal konnte wir es doch schaffen ;( da war es wirklich schon ein komisches Gefühl in einer Disko zu sein.. nein, es war die „Szene“ und ihre Gestalten an sich die ihrgendwie anders waren als man es in Erinnerung hatte. Schon vor unserem Kind merkte man die Veränderung.

    „Früher“ war es ihrgendwie so bei uns in der Region: man wuchs langsam in die Szene rein.. und dann gab es eine Zeit da wollten die „Neuen“ sofort die Götter der Nacht sein..hätte ich mich früher nie getraut 😉

  34. Naja, ob die Anhänger einer Subkultur jemals „ideologisch“ gleich tickten, sei mal dahingestellt, ich finde allein den Begriff schon abschreckend. Es gibt immer Leute, welche die Sache auch als Lebenseinstellung verinnerlichen und daneben jene, die nur den Style abfeiern und Party machen wollen, das ist wohl in jeder Szene so. Ich als Baujahr 86 habs nicht miterlebt, aber ob das in den 80ern jemals anders war, wage ich zu bezweifeln. Vor ein paar Jahren hab ich mich auch noch zur schwarzen Szene gezählt. Heute sind mir solche Zuordnungen unwichtig. Was zählt ist meine innere Einstellung und was ich persönlich aus dem Werk eines Künstlers ziehe. Ich will nicht zu irgendeiner elitären und konservativen Gruppe gehören, die sich zum Erhalt irgendwelcher undefinierter Werte berufen fühlt. Ich find den Affenzirkus auf den großen Festivals auch lächerlich, also picke ich mir eben die kleinen Clubkonzerte raus, wie z.B. gestern The Soft Moon in Saarbrücken. Das, was ich persönlich an dem weiten Kreis der „schwarzen Szene“ zu meiner Anfangszeit faszinierend fand ist nicht tot, sondern verinnerlicht, auch wenn ich die Szenemags dumm und die Lineups der meisten Festivals uninteressant finde.

    • Ein Kollektiv definiert sich durch Gemeinsamkeiten, sonst ist es kein Kollektiv, Sie verstehen also das Problem? Was wir im Moment haben ist ein hybrider-Flickenteppich dessen Wert ernsthaft infrage gestellt werden darf.

  35. Die Zeit ändert eben viele Dinge. Jede Musik-Szene hat sich im laufe von Jahrzehnten, manchmal auch nur Jahren oder Monaten gewandelt. Nichts ist von Bestand. Kaum etwas bleibt so wie es war. Ich gebe dir recht bei aktuellen Monotonie unserer Musiker. Ich denke aber dass dies auch die Kommerzialisierung mit sich bringt. Diese ist nicht nur immer Negativ, schließlich wurde die Schwarze Szene dadurch nur viel Facettenreicher.
    Ich sehe hierbei genau diesen konflikt. Die schwarze Szene versucht Offenheit und Tiefgang zu Signalisieren. In wirklichkeit achten wir alle viel mehr auf Äußerlichkeiten und Details die nicht in das typische Bild eines „Gothics“/“Grufits“/“Schwarzen“ passen. Wir wollen uns das alle nicht eingestehen, aber mit unserer Offenheit sehen wir „Stinos“ doch eigentlich immernoch als Belästigung an.
    Wenn wir doch behaupten dass wir so offen sind, dann lasst es uns auch sein. Es strömen von allen Seiten neue Impressionen in die Schwarze Szene und die Grenzen verwischen immer mehr… Aber das wollten wir nie… Aber Irgendwie wollten wir auch allem offen sein… das passt so gar nicht zusammen.

    Ich denke die schwarze Szene befindet sich in einem unaufhaltbaren Wandel.
    Wie auch „Rapid Eye Movement“ vorhin schon geschrieben hat, sollten uns doch die Alten, Eingesessenen mehr an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen als zu sagen „Früher war alles besser“…. ist zwar überspitzt, aber hört sich für mich ein wenig danach an.

    Ich bin 87er Baujahr und seit meiner Jugend „schwarz geprägt“… Ich bin froh dass nahezu mein kompletter Freundeskreis schwarz ist. Ich besitze keine dieser alten melancholischen Werte und feiere gern. Dennoch sind die Momente auf der Tanzfläche oder bei Konzerten, bei denen man ganz für sich ist das wichtigste überhaupt… ebenso wie der einmalige Zusammenhalt… und dann doch die SZENE-Interne Offenheit… und dies ist das größte was uns Verbindet.

    Ja, wir achten auf Äußerlichkeiten…
    Ja, wir beäugen Kritisch fremde Einflüsse…

    Gothics kann man in keine Schublade packen, dennoch versucht man es… Auch der Herr Henke 😛

    Noch ein Zitat zum Schluss(Ich glaube es auf einer Welle:Erdball-CD gehört zu haben):
    „Wer nicht mit der Zeit geht, der muss eben mit der Zeit gehen…“

    • früher war keineswegs alles besser. früher war es nur kreativer. was originär nichts mit früher zu tun hatte. Deutscher Hip Hop z.B. war vor wenigen Jahren auch mausetot und erlebt dank kreativer, hungriger Künstler eine neue Blüte. Es geht auch gar nicht darum „mit der Zeit“ zu gehen. „Modern“ ist kein Wert ansich. Es geht nur darum, aus Ideen und Ansichten heraus entstehende Potenziale zu nutzen – oder eben nicht. Und zur Zeit herrscht in der Szene eben letzteres…

  36. Pingback: Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren? Und wann seinen Sinn? | undergroundnoises

  37. Als der Fasching begann und man mit Einheitsbrei sein Geld gemacht wurde. Von Bultbengel und Zeraphine war der Anfang vom Ende, der Sound schlecht und oberhalb der Oberfläche. Als Nazis kritiklos akzeptiert wurden und Festivals den Eindruck erweckten, man ist auf einer Andrea Berg Covention. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen, doch es hat was gutes, im Herzen bleibt man morbid auch ohne Szeneporno, ist auch albern immer das zwanghafte dazu zugehören. Habe schon interessanterer Leute getroffen, die für Poe schwärmen oder einen guten alten Horrorfilm lieben. Gothic/Grufti war immer ein wenig Fasching und Narzisstisch. Menschen mit angeklebten Gummiohren oder irgendwelche Banker die mit einer Baumarktkette um den Hals daherlaufen, bei einen Festival, fördern in mir eine unheimliche Depressionen hervor. Dann würde ich schon mal gerne fragen ob sie die Sache eigentlich ernst nehmen oder einfach gerne Fasching im Sommer feiern. Was auch immer, die Szene ist seit ende der 90er so richtig im A…Techno kann ich auch in einen Technoschuppen hören und der ist noch origineller.

  38. Wenn ich wiederhole, was andere schon geschrieben haben, sorry. Es sind inzwischen zu viele Kommentare, um sie alle im Einzelnen zu lesen.
    Ich denke, mit der schwarzen Szene ist genau das passiert, was mit jeder Independentszene passiert, sobald wirtschaftliche Interessen ins Spiel kommen, sobald die Szene so groß wird, dass sie interessant wird für jene, die neben (oder besser noch vor) dem Künstler Geld verdienen wollen. Der Amphi-Massenzirkus ist ein anschauliches Beispiel mit all seinen Buden und Büdchen und Shops und Tabakpromoteams und, ja, auch mit seiner Bandauswahl.
    Es wird gebucht, was sich verkauft, es wird released, was sich verkauft. Der Intellekt spielt dabei keine Rolle, ebenso wenig die Kunst und die Kreativität und die Individualität – die suche ich derzeit vergebens. Und da nur noch neue Bands veröffentlicht und gehört, will sagen: vom unbedarften Junggrufti-und/oder-Synthiepopper-etc. konsumiert werden, weil ihm präsentiert auf Festivals wie dem Amphi, stagniert die Szene. Und die Musik, die den Geist von damals transportiert, kommt schon seit längerem nicht mehr aus den schwarzen Reihen.
    Vielleicht liegt es einfach daran, dass sie zu groß geworden ist. Meiner Meinung nach entsteht freie, unabhängige (Indie-)Kunst in einer Minderheit und deren Gefühl der Minderheit.

    • gegen verkaufen hab ich nichts. ich kaufe gern schöne, ansprechende, originelle Dinge und gönne dem Verkäufer den Gewinn. Ich bekomme etwas und gebe etwas – guter Deal. Viele denken aber nur an bekommen und geben dafür etwas was eben so aussieht wie das was der Mensch nebenan gegeben hat, man aber keine Ahnung hat warum es ihm jemand abgekauft hat…

  39. Fand die Gothic Szene schon immer einen Haufen an spätpubertären Menschen, die sich größtenteils selbst als unglaublich elitär und besonders betrachten (nein, ein paar schwarze Fetzen an und weißes Puder im Gesicht macht dich nicht zu einer superrspecial snowflake).
    Musikalisch gabs doch eigentlich auch nur selten mal was gutes, auch die meisten hochgefeierten 80er Bands konnten meist nich wirklich singen und klangen alle gleich^^ Hochwertige Musik findet man im Goth Zweig mittlerweile garnicht mehr und wenn, dann treten diese sicher nicht auf solchen Festivals wie WGT oder Mera auf.
    Kann dieses „Früher war allllesss sooo viel besser“ Gejammer nicht nachvollziehen^^
    (Mit den ganzen braunangehauchten Uniformtrotteln, Fetishgrabblern und Aufmerksamkeitsmodelhuren könnte die Szene momentan aber zugegebenermaßen echt kaum noch schlimmer werden.)

    Und….Grausame Töchter? seriously? Dann doch lieber Blutengel.

    • man kann über die Inhalte von GT streiten. Aber vergleiche bitte nochmal die Art der Themenaufarbeitung und die musikalische Machart mit BE. Höre mal genau hin. Ja, im Ernst und gar keine Frage: GT! Man muss schon mal die Ohren aufsperren. Qualität muss ja inhaltlich nicht mögen. Ich verstehe jeden der James Blake nicht ertragen kann. Aber wer sagt das der Mann Scheiße fabriziert hat einfach nicht hingehört. Zum Beispiel. Manche Dinge erfordern etwas Auseinandersetzung…

  40. Ich lese hier Sinngemäß den gleichen Müll und Gejammer wie auch schon in den 80ér, die schwarze Bewegung besteht aus Menschen die für sich sein wollen, kreativ sind, den Kommerz hassen, aber gleichzeitig anderen Menschen tolerant gegenübertreten!

    Mitläufer, Wochenendgrufties usw. gab es schon immer und wird es immer geben!
    Wieso werden diese immer in den Vordergrund gestellt? Doch nur weil wir nicht an die Öffentlichkeit treten wollen, weil eh die Gesellschaft keinerlei Verständnis bzw. Ahnung hat, was es mit dieser schwarzen Bewegung auf sich hat, wir aber auch keine Lust haben uns zu rechtfertigen, wer sich für uns Interessiert, wird großartiges erfahren, die anderen haben eh einen zu kleinen IQ um uns auch nur Annähernd zu verstehen!

    Auf unseren Partys wird die Musik gespielt die die Leute wollen, für die speziellen Richtungen in der Szene gibt es die diversen Lokalitäten und Motto Partys, ob das jetzt Gothic/EBM/Mittelalter oder sonstige Richtungen betrifft, kaum ein DJ weigert sich auch mal was anderes zwischendrin aufzulegen, oder man geht zu Veranstaltungen wie https://www.facebook.com/events/434641706662872/?ref_dashboard_filter=upcoming bei denen gemischte Mucke läuft in der großen Halle, und ein kleinerer Bereich in dem ausgefallene und alte Sachen laufen!

    Diese „Cyber Gothic“ Bewegung die sich bei uns eingeschlichen hat, wird von den meisten in der schwarzen Bewegung gehasst und gemieden!
    Die Klamotten und der Tanzstiel gehen ja noch aber dieser vertechnoiedete EBM Musikstil und diese Hirnlosen Texte ……….. haben mit der Einstellung eines schwarzen nichts gemein.

    Schwarz zu sein hat nicht nur mit den Klamotten und der Musik zu tun, viel wichtiger ist die Lebenseinstellung!
    Wir lassen uns in keine Schubladen stecken! und damit hat die Gesellschaft so ihre Probleme, mit so viel Individualismus kann kaum einer dieser sogenannten „normalen Menschen“ umgehen, welche ferngesteuert rumlaufen und Ihr leben danach richten was andere sagen/denken und vorschreiben!

    Ein schwarzer lebt sein Leben so wie er es für richtig empfindet!

  41. So Ende der ’90 würde ich sagen, als es keine Gruftis mehr gab, sondern nur noch Gothics. Mit der Einführung der ersten Gothic Wochen bei H&M? Mit dem ersten Internetzugang bei der Antifa? Mit Brandon Lee? Mit der Einstellung von Radio Schwarzbrot? Mit Peter Heppner auf Viva? Mit dem Ruda Paar? Wer weiß, es gab so viele Eckpunkte an denen Soll-Bruchstellen das taten wofür sie da sind.

    • Ich finde, du bewegst dich explizit an der Oberfläche. Es geht nicht darum wie man sich nennt. Auch nicht darum, wo die gute Musik läuft – sondern dass sie überhaupt erstmal da ist. Vergleiche mal Heppner und Unheilig. Ruda? Ach komm. Die Debatte ob Videospiele, Rambo-Filme oder :Wumpscut: Straftäter zu Straftaten treiben ist durch, dämlich und die der anderen. Das mit der Antifa verstehe ich auch nicht – außer, dass es genug Rechte und Rechtskokette gibt, die sich dank unserer unendlichen Toleranz es sich unter uns recht bequem gemacht haben. Wenn man z.b. Nachtmahr-Interviews hört/liest kann man mit dem Kopf nur noch auf die Tischplatte knallen…

      • Natürlich bewege ich mich an der Oberfläche, es gelingt mir nicht mehr mich mit einer Szene zu identifizieren demnach kann ich auch nicht mehr eintauchen. Alles was bleibt sind alte Tage und Dinge von gestern die es heute noch gibt. Das liegt allerdings auch an meinem Lebensstil und -ort.
        Meiner Meinung nach war es ein guter Ritt, mehr nicht. Solang er dauerte, solang war es gut. Heute finde ich speziell bei Musik immer noch Perlen die teilweise älter als 10 Jahre sind, damit kann man schon über Wasser halten. Die Szene als solche gibt es für mich nicht mehr, ich habe mein Heil im Post-Industrial/Noise und Avantgarde gefunden. Die leben aber auch nur noch vom Alten, bis diese irgendwann auch ausstirbt. Wann gab es denn die letzte gute Power Electronics VO? Genau, weiß keiner mehr so genau…

  42. Wo wir gerade dabei sind – gerade hier – , wie der Zufall es will bin ich just vor 2 Wochen über Henke’s Tote Augen sehen Leben gestolpert., keine Ahnung wie ich da so lange drüber weg sehen konnte, aber das ist grandios. Ich denke kaum etwas hat in den ’90 mit der NDT mehr Einfluss ausgeübt (natürlich mit Relatives Menschsein). Dann kam nach Langem der einzigartige Falk Lenn daher und es schien ein Licht am Horizont. Doch wie tragisch dieser Künstler endete ist ja allgemeinhin bekannt. Vielleicht ist es das Schicksal, das wer wirklich aus der Masse heraus sticht, mit Elan und Motiv seine Kunst sucht, das ihm in letzter Konsequenz nichts besseres vergönnt ist. Möge es ihm gut gehen, wo immer er auch ist.

  43. Da hat wohl jemand genau das in einem Artikel getroffen, was ich über Jahre hinweg zu beobachten vermochte…
    Wobei ich nicht wirklich nachvollziehen kann, was denn nun an Casper tiefgründig sein soll… Es ist eben genau diese Erscheinung welche kurz an der schlammigen Oberfläche kratzt, welche jedoch binnen kürzester Zeit wieder mit eben dem selben Schlamm sich schließt. Selbiges gilt für Bring me the Horizon.
    Allem Anderen stimme ich zu. Das was sich unter dem Begriff „Gothic“ konzentriert hat, eine energiegeladene Ballung in dieser vermeintlich doch so „gut“ funktionierenden Gesellschaft, zerstreute sich wie schon erwähnt in andere Subgenres. in dem Fall sehe ich hohes Potential weitestgehend im Shoegazing, Neofolk, Post Rock und auch irgendwo in der Post-Black Metal Szene.
    Der Überrest ist genau zu dem geworden, was sich überall mit allen Gemeinschaften, die Revolte als zentralen Punkt hatten, ereignete, nämlich eine quasi Hauptstrom angepasste freudsche-hedonistische Bewegung, die ihrem Ursprung derartig entrissen ist, dass man darüber nur noch mit dem Kopf schütteln kann.
    Ich habe mittlerweile tatsächlich den Eindruck, dass alles, im gesellschaftlichen Sinne, von einer perversen Welle von Mittelmäßigkeit überspült und verschlungen wird. Keine Extremen mehr. Kein Tiefgang mehr. Nur noch verdreht mittelmäßiger Einheitsbrei mit vermeintlicher Revolte darin. Ob man das als staatlich gewollt bezeichnen kann, vermag ich nicht zu beurteilen, denkbar wäre es aber. Das Einzige was bleibt ist seinen eigenen Geist zu behalten.

    • Man muss Casper oder BMTH sicher nicht gut finden – kann aber doch erkennen, dass solche Künstler sehr tief gehen. Und zwar aus einer anderen Perspektive, nämlich der der heute 20-30jährigen. Hinhören! 😉

  44. Ich bin entsetzt.
    In Unglauben versuche ich die Zeilen noch zu fassen,
    in denen ihr prangernd all die hohlen Phrasen
    haufenschichtend zu verbrennen sucht.

    Und zwischen all der Grabesromantik und Regalarithmetik,
    dem Emotionskäfig der Trübsalsästhetik –
    verortet ihr da euer Lebenslicht?

    Könnte es nicht sein, dass was ihr wiederspiegelt,
    euch nur selbst gefangen hält
    in Kulturkonsum und Konservierungsbildern,
    die definieren sollen was euch gefällt?

    Fragt euch, was all die Facetten verbindet,
    schaut nicht auf die Verschiedenheiten!
    Fragt euch was ihr in Schwarz der Welt entsendet
    oder auch in farbrüschenreichen Eigenheiten.

    :

    Für mich bedeutet schwarz zu tragen,
    die zu suchen, die ‚ja‘ zum Gegenüber sagen,
    die Schönheit zu zeigen wagen
    – mit Emotion in Tanzeksase und Musik,
    im Pinselstrich oder Belletristik,
    die mit der Hand lyrische Farben führen,
    wie sie auch den Herzschlag des andern spüren.

  45. Pingback: Kommentar: Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren? › Spontis

  46. Selten sowas undifferenziertes gelesen! Und vor allem, selten soetwas vollkommen falsches!

    Derzeit organisiere ich für mein Projekt „At Sea Compilations“ eine Wave-Compilation mit dem Namen „Stairways“. Just jetzt liege ich, was die Musik betrifft, sogar bei der finalen Tracklist. Nächsten Monat Finalmastering und Design, in April dann Release. Und was soll ich sagen? Seit Dezember habe ich mich mit ca. 50 Bands aus dem Bereich Wave auseinandergesetzt. Und das ist nur die Spitze eines großen, großen Eisbergs! Wenn man sich mal anschaut… Bandcamp quillt über an richtig tollen, kreativen Musikern und Bands. In Amerika ist die Wave-Musik sehr lebendig! Dort hat man zig Projekte die Musik mit analogen Synthies, Shoegaze Marke alter 4AD Veröffentlichungen oder richtig schnoddrigen Goth-Rock 80s like produzieren. Und nicht nur in den USA! Mexiko!!! Auch dieses Land hat davon profitiert, dass Instrumente bezahlbar geworden sind. Was ich in den letzten 1-2 Jahren allein an super Musik aus Mexiko gehört habe ist der Wahnsinn. Aktuelles Beispiel aus meiner Bandcamp-Liste: http://equinoxious.bandcamp.com/track/el-jard-n-feat-pan-de-muertos

    Und was ist mit den ganzen tollen Labels wie Swiss Dark Nights, Zoch Factory Records, [aufnahme + wiedergabe] oder aus den USA auch Sams Label Projekt? Die veröffentlichen mit ganz viel Liebe super Musik! Aber es braucht auch keine Labels, wenn man sich den erfolg von She Past Away anschaut, oder noch krasser: Adrian von Ziegler.

    Und es gibt auch noch gute DJs hierzulande, die gute Musik spielen. Beispielsweise die NWR-Crew oder DJane Sheatle. Oder was ist mit solchen tollen Festivals wie das Young & Cold in Augsburg? Was ist mit den vielen tollen unabhängigen veranstaltungen wie die Blaue Stunde, das Seelenschatten oder verschiedene Veranstltungen im Berliner Underground?

    Wir haben in Deutschland Bands und Projekte wie The Amount Of Light We Give Off, LisaWars, Lichtscheu, Lambda, usw usw. Auf den letzten beiden Snowflakes-Compilations findet man einige sehr schöne Bands, die diesen romantischen Charakter der Szene in den Mittelpunkt stellen!

    Aber das wichtigste ist: WELTWEIT hat Gothic ganz und garnicht sein Herz verloren! Russland oder allgemein Osteuropa, hey dort geht der Punk ab! Dort hat man so eine lebendige Undergroundszene, das ist wahnsinn. Und eben auch richtig talentierte Musiker.

    Ich möchte nachfolgend einfach mal ein paar verschiedene Musiker verlinken.

    Hörts Euch einfach mal durch:


    http://atnight.bandcamp.com/
    https://thiscold.bandcamp.com/
    http://yyyy.bandcamp.com/
    http://thiscoldnight.bandcamp.com/album/this-cold-night
    http://sobriquet1.bandcamp.com/album/july-album

    Nur um einen gaaanz kleinen Einblick zu geben wie lebendig gerade die Musik auf Bandcamp daherkommt.

    Oder wie kommt es, dass eine Band wie Closterkeller seit Jahzehnten in Polen erfolgreich ist, hierzulande kennt die aber niemand – OBWOHL es unser Nachbarland ist???

    Da kommen wir doch eher zum Problem des ganzen: dieser ganze Filz aus Majorlabels, irgendwelche Zeitschriften und der ganze Kommerz hat die Szene hierzulande komplett zerstört. Statt dass sich die Menschen selbst auf die Suche begeben, so wie es für eine SUBKULTUR sein sollte, lässt man sich nur allzugern in die Rolle des Konsumenten pressen. Man konsumiert, erlebt aber nicht. Und da mache ich nicht „den Leuten“ einen Vorwurf, sondern dass man sich so dem hemmungslosen Kommerz über die Jahre hingegeben hat. Und das für eine Szene die eigentlich mal aus dem PUNK entstanden ist!

    Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: diese ganze Magazine und Majorlabels schallend auslachen, wenn sie einem mit dem nächsten „geilen Scheiß“ kommen wollen. Oder: schlicht ignorieren. Dann wird man die kleinen schönen Veranstaltungen entdecken, die tollen Bands die sich freuen, wenn man ihnen sagt „geile Musik“ und ein wenig was per PayPal überweist. Ja, mit Subkultur kann man kein Geld verdienen. Und DAS sollte auch NICHT die Intention sein, das war es nämlich noch nie. Sondern es sollte eine ALTERNATIVE zum gesellschaftlichen Modell sein – und nicht einfach nur schwarz angemalte gleiche Mechanismen.

    • offen gesagt finde ich deine Hymne etwas undifferenziert. Es ging in meinem Text weder ums geldverdienen noch darum dass es gar keine Bands mehr gibt. Sondern um Originalität und letztlich Qualität. Ja, es gibt auf Bandcamp Bands im Überfluss – leider sind die allermeisten aber auch überflüssig. Ich kann keinen Impuls erkennen, wenn einfach im starren Ritual die 80er oder Wave’n’Goth nochmal durchgekaut wird. Und DJs im Sinn von DJ hab ich der Szene ehrlich gesagt auch noch nie erlebt – in 99 Prozent der Fälle könnten die auch einfach ihren iPod mit vorgestanzter Playlist abgeben. Ich erkenne auch keinen „Filz aus Majorlabels“ – das Problem ist doch, dass jede kleine Mini-Nebenbei-Firma versucht, dieses Big Business im Kleinen nachzuspielen und viele „Szenemenschen“ sich irgendwo als Pseudomanager wichtig machen…

  47. Solang wir uns eher auf das „Schlechte“ konzentrieren, also das, was innerhalb der Szene schief läuft, geben wir dem zu viel Raum. Ich glaube, dass viel eher eine Veränderung möglich wäre, wenn wir, wie es hier teilweise auch schon geschehen ist, eher mit dem Finger auf die guten Sachen zeigen und diese dadurch ins Rampenlicht gerückt werden. Und zwar nicht still und leise, sondern laut. Denn genau weil überwiegend die Verluste beklagt werden, und die neuen, guten Bewegungen nicht genug Beachtung finden, wird das zum Teufelskreis. Endlose Diskussionen über die möglichen Sterbe-Ursachen des Feelings verhindern, dass wir nach Lösungen suchen, um frischen Wind in die Sache zu bringen. Z.B. Henkes Worte in Sachen Szene habe ich zum überwiegenden Teil inhaltlich gut gefunden, sie wirken aber wie ein Alleingang; ein Don Quichote zwischen den Windmühlen. Und das obwohl es garantiert genügend Anhänger gibt, die mit der Botschaft konform gehen.
    Musikalische Ambitionen werden oft im Keim erstickt: Keine Auftrittsmöglichkeiten für Bands ohne Namen; niemand, von den Etablierten, der bereit ist, Zeit und vielleicht auch mal Geld zu investieren, um eine gute Idee auch mit gutem Sound und Verbreitungsmöglichkeiten zu versorgen. Es mag ein falscher Eindruck sein, aber mir scheint, als könne sich eben nicht jeder leisten, seine neuen Ideen auf den Markt zu bringen. Und jene, die es wegen Glück, vergangenem Ruhm, genügend Moneten oder einflussreichem Support können, sind eben nicht zwangsläufig talentiert, tiefgründig und frisch zugleich. Es kann die geilsten musikalischen Tripps geben, wir hören nur nie was davon innerhalb der Medien, die wir in der Regel nutzen.
    Abseits der eingetretenen Pfade gibt es neue und auch gute Musik. Sie erreicht aber nur schwer den Interessenten im Morast aus Klangerzeugnissen. Ich war noch nie auf illegalen Seiten und finde es schade, dass ich diese anscheinend aufsuchen muss, um mir manche der Musik-Juwelen zu Gemüte zu führen. Vielleicht ist genau das ein großer Schwachpunkt? Zwar wird die ganze Download-Geschichte als eines der Todesursachen vermutet, aber wenn interessante, neue Musik so geheim ist, dass ich sie nur illegal irgendwo aufstöbern kann, bleibt sie vermutlich für viele ein Geheimnis und zu Unrecht unentdeckt. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Stellen gibt, die auf solche unentdeckten Juwelen aufmerksam machen. Vielleicht sollte das ein erstes Ziel sein? Nach den vermissten Herzstücken zu suchen und wenn man fündig wurde, auch lautstark zu teilen, was einen berührt, und zwar unabhängig davon, ob die beteiligten Musiker bereits namhaft sind oder nicht. Und gerade etablierte Künstler könnten sich mit den Perlen ihrer Wahl viel mehr vernetzen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen und das Gute in der Vordergrund rücken, weil sie eher Gehör finden, damit die neuen Musiktalente keine desillusionierten Einzelkämpfer werden. Hier klangen ja auch harte Kritiken bezüglich gewisser Sounds durch. Eine junge, frische Band wird nicht perfekt geboren, sie braucht Zeit zum Reifen. Manche stirbt schon, bevor sie ausreichend Zeit dazu hatte. Sie wird aufgerieben von Erwartungen, finanziellen Nöten und einem übersättigten Publikum. Und zwar egal in welcher Szene. Und es wird Perfektion erwartet an vielen Stellen und die killt jegliches Gefühl.
    Eine Subkultur ist immer auch eine Form der Gegenkultur. Wenn sich viele Perlen zusammenschließen, kann innerhalb der Szene eine solche, eigene entstehen. Darauf hoffe ich jedenfalls noch immer. Resignieren dürfen wir nicht. REBELLION!!!!! Aber ich bin wie immer erfrischend naiv 😀

    • Dass die „Sterbedebatte“ so alt ist wie die Szene stimmt. Insofern ist es sicher gelegentlich gesund, zu machen statt zu jammern. Aber ist es im Umkehrschluss sinnvoll, jede Kritik als Jammern zu bezeichnen und das Schlechte zu verschweigen? Ich will eine schöne Szene, keine schöngeredete. Die muss am Ende aus sich selbst wachsen. Auftrittsmöglichkeiten gibt es nur wenn Publikum da ist. Wir sind aber in einem Abwärts-Teufelskreis: Weil die Leute so viel Schlechtes hören mussten, kommen sie immer weniger – und geben damit immer weniger Bands eine Chance. Dabei bietet gerade das Internet theoretisch viele Möglichkeiten. Theoretisch…

  48. Was aus meiner Sicht das Hauptleiden von „Underground-Bands“ ist, das es kaum noch echte Musik Pub’s gibt. Das waren mal die Bretter,auf denen sich neue Bands präsentieren durften. Das war echte live Musik ohne Schnörkel. Mich interessieren die großen Festivals mit abertausenden von Besuchern wie WGT oder Mera Luna schon lang nicht mehr. Zuviel Prunk, Fassade und Karneval. Wir haben 8zigern und 9zigern bei uns im „Mephisto“ gesessen und Bands gefeiert die kaum jemand kannte. Zum Teil regionale Perlen und manchmal auch bekannte Acts, aber mit einem Minimum an Equipment. Da kam wirkliches Talent zum Vorschein. Es ist doch einfach auf ner großen Bühne zu stehen und mit 30000 Watt sämtliche Spielfehler im Soundmatsch zu verstecken. Von Tonfiltern und anderen Soundmanipulatoren ganz abgesehen. Was für mich wichtig ist, das die Musik Gefühle transportiert, unabhängig von Genre. Welche Band auch immer „Gothic“ sein mag, oder Gothic spielt (manchmal ohne es zu merken). Für mich ist die Grundstimmung wichtig. Wie auch immer man das musikalisch umsetzt. Die Gothic Bands schaffen es durch den Einsatz unterschiedlichster Instrumente in teilweise abstrusen Kombinationen, außergewöhnliche Sounds zu kreiren und in Texten voller Mystik, Fantasie aber auch schmerzechter Realität, Gefühle oder Gedanken auf den Punkt zu bringen. Das fasziniert mich und dabei bleibe ich, nach nunmehr einem 4rtel Jahrhundert. Danke an alle Bands, die mein Leben bereichern und mir jeden Tag erklären, das es Menschen gibt denen es dreckiger geht als mir.
    Das holte mich schon aus so mancher Depression und verleitet auch mal über den eigenen Misthaufen zu sehen. Möge es noch lange Gothic regnen.

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