Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren? Und wann seinen Sinn?

Vielleicht hat es nicht so wehgetan, weil es so langsam und schleichend passiert ist. Und genau deswegen tut es wohl auch besonders weh: Gothic, so wie wir es einst lieben gelernt haben, ist nicht mehr. Nur noch ein Schatten, eine Erinnerung.

Nun könnte man sagen, dass Schatten und Erinnerungen immer eine große Rolle in unserer Schwarzen Kultur gespielt haben, und man hätte Recht damit – aber genau das ist ja der Punkt. Gothic hat sie gegenwärtig gemacht. Erlebbar. Beseelt. Was jetzt noch übrig ist, ist eine Erinnerung an dieses Erleben. Nicht mehr dieses Erleben selbst. Die Szene? Ich spüre ihren Herzschlag nicht mehr.

Wann hat er eigentlich aufgehört? Als der Graf ins Fernsehen ging? Als Mono Inc. beschlossen, ihre Karikatur von dunkler Musik zu veröffentlichen? Als zu viele WGT-Besucher das optische Ausstellen einer inneren Anders-Gefühlslage mit dem karnevaleskem Spaß am Verkleiden zu verwechseln begannen?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es an all diesen Einzelpunkten nicht liegt. In jeder Szene gibt es Menschen, deren Herz tief verwurzelt drinhängt und solche, die nur an einigen Details gefallen finden. Alles hat eine Oberfläche. Das ist kein Problem  so lange es darunter auch die Tiefe gibt.

Die Toleranz in der Szene war immer eine ihrer Stärken – wir haben es immer gut ausgehalten, wenn The Cure zu kommerziell war oder Kaschte zu durchgeknallt oder Illuminate zu sehr Schlager. Die Szene verträgt Knicklichtgrufties und gröhlende Met-Trinker. Metaller mit gierigen Dekolleté-Blicken und Emily-Autumn-Girlies. Mode-SMler und Uniform-Fetischischisten. Nur die Summe davon hat sie offenbar auf Dauer nicht ertragen – vor allem nicht in Zusammenhang mit unserem vielleicht verheerendsten Fehler: Der Kritiklosigkeit.

Der Ton war uns Überzeugungs-Gothics immer etwas ganze Besonderes. Wir haben unter der Oberfläche der Gesellschaft nach den Nischen gesucht, nach der Individualität. Haben zugehört. Zugelassen. Selbst Schmerz und Hass. Haben hinter alle Dinge geblickt. Aber irgendwann haben wir dabei Toleranz mit Kritiklosigkeit verwechselt. Meinungsfreiheit war uns ein so hohes Gut, dass Irgendwann der Inhalt einer Meinung egal war. Der. Inhalt.

Das hat dazu geführt, das irgendwann jeder alles machen konnte – wir haben es geschluckt. Und irgenwann haben wir mangels besserer Angebote Dinge geschluckt, die wir so eigentlich nicht haben wollten. Irgendwann war ASP eine der besten Bands der Szene. Wir haben nie gelernt, wie wichtig und befruchtend konstruktive Kritik und Streit sind. Auseinandersetzung. Das Ergebnis ist, dass es keine guten neuen Szene-Bands gibt. Man betrachte nur die Programmfolgen der Festivals in den letzten Jahren.

Es gibt immer noch hervorragende dunkle Musik. Musik, die unter die Oberfläche schaut und das Dunkel ertastet. Die Schnitte im Herz, die Wunden in der Seele. Kunst, wegen der wir uns einst in der Schwarzen Szene heimisch gefühlt haben. Aber sie findet heute fast vollständig außerhalb unserer erstarrten Rituale statt. Sie kommt von Ólafur Arnalds oder Soap&Skin, von Casper oder Sigur Rós. Von Bring Me The Horizon oder den Editors. Es gibt sie überall und selbst in Schattierungen, die unsere Szene bisher ausgespart hat, etwa im Hip Hop von Grim104. Nur kaum noch in unserer Schwarzen Szene. Mir tut das in stillen Momenten weh – weil in dieser unserer Szene so verdammt viel Potenzial gesteckt hat! So viel Kreativität. Individualität. Es war schön, dass Dr. Mark Bennecke und Der Herr Der Ringe in unserer Szene Platz hatten – es ist aber nicht schön, dass die Szene hauptsächlich zu Dr. Mark Bennecke und dem Herrn Der Ringe geworden ist.

Wie gern würde ich mal wieder eine richtig tief berührende Platte hören von :Wumpscut: oder Sopor Aeternus. Von Zeraphine oder And One. In Strict Confidence. Diary Of Dreams. Winterkälte. Arcana. Lovesliescrushing. The Retrosic. Künstler, deren Werke, so denn welche erscheinen, ich nach wie vor kaufe – dann aber mit zunehmender Resignation in den Plattenschrank stelle. Neue Künstler wie Lisa Morgenstern, die die Impulse der Schwarzen Szene aufnehmen, erkennen und neu interpretieren? In ihrem Geist bereichern? Gibt es fast nicht mehr. Und falls doch kommen sie zur Not auch ohne uns aus. Es sind sehr, sehr seltene Ausnahmen. „Grausame Töchter“ fallen mir noch ein. Maximal. Leider.

Auf der anderen Seite steht dagegen ein übermächtige, starre Masse, die aus dem einstigen Blick ins Dunkel der Tiefe eine neue Oberfläche gemacht hat. Symbole, deren Chic jeder kennt und deren Bedeutung niemand mehr fühlt. Eine Masse, die aus den Erkenntnissen und mutigen Perspektiven von einst die Phrasen von jetzt gemacht hat. Sie ritualisiert abspult und in Online-Shops einkauft. So wie Mutti jedes Jahr die Weihnachtskugeln an die Tanne hängt – und am Ende beides für originäre Bestandteile eines christlichen Festes hält. Am deutlichsten wird das vielleicht, wenn man auf die toten Magazine blickt: Eine Szene, die so viel auf ihren Geist und ihre Gedanken hält, erträgt komplett geist- und journalismusfreie Szenehefte, in denen jeder Artikel an bezahlte Anzeigen gekoppelt ist? Ja. Und nein. Aber: Diese Situation ist entstanden, weil sie aus uns allen heraus so entstehen konnte.

Es geht nicht um Schuld. Aber es geht darum, wie es ist. Es ist: traurig!

von ((tim))

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116 Gedanken zu „Wann hat Gothic eigentlich sein Herz verloren? Und wann seinen Sinn?

  1. Und was wir alle vergessen… auch wir werden älter, sind vielleicht keine 18 mehr, können durch Arbeit und familiären Gründen kaum noch an sowas wie „Szene“ teilhaben. Sind wir dadurch nun wahre „Gruftis“? Oder ist gerade der Begriff „Szene“ etwas, was jeder gerne anders hätte als es nunmal ist? Wir sind alle Individuen, haben unterschiedlichste Geschmäcker, Vorstellungen und auch Leidenswege durchlebt. Unser Leben macht uns zu dem was wir sind und nicht irgendeine Band oder „Szene“. Wer Goth ist, sollte das machen, was dem Rest der Welt im Alltag nicht oder kaum gelingt, Menschlich sein. Und wenn uns Musik dabei hilft, dann umso besser.

    • Ich denke, das spielt auch eine große Rolle – der Mensch verändert sich und mit ihm auch seine Vorstellungen.
      Die „Gothics“ von früher sind vielleicht Familienmenschen geworden und glücklich …

      Ich merke bei mir, dass sich z.b. meine Gedankenwelt durch diverse Ereignisse stark gewandelt hat – ich höre zwar immer noch gerne die „alten Alben“ diverser Bands gerne, aber ich käme nicht auf die Idee neues zu kaufen. Nicht, weil es schlecht ist – aber ich verbinde eben mit dem alten Album etwas ….

  2. „Es ging in meinem Text weder ums geldverdienen noch darum dass es gar keine Bands mehr gibt. Sondern um Originalität und letztlich Qualität. Ja, es gibt auf Bandcamp Bands im Überfluss – leider sind die allermeisten aber auch überflüssig. Ich kann keinen Impuls erkennen, wenn einfach im starren Ritual die 80er oder Wave’n’Goth nochmal durchgekaut wird. Und DJs im Sinn von DJ hab ich der Szene ehrlich gesagt auch noch nie erlebt – in 99 Prozent der Fälle könnten die auch einfach ihren iPod mit vorgestanzter Playlist abgeben. Ich erkenne auch keinen “Filz aus Majorlabels” – das Problem ist doch, dass jede kleine Mini-Nebenbei-Firma versucht, dieses Big Business im Kleinen nachzuspielen und viele “Szenemenschen” sich irgendwo als Pseudomanager wichtig machen…“

    Und da wären wir schon beim Pudels Kern:

    1. Es ist doch immer eine Geschmacksfrage ob etwas originell oder qualitativ gut ist. Musik ist etwas, was sich ausdrücklich nicht objektiv bewerten lässt. Solange Musik das Gefühl eines Menschen berührt, ist sie sinnvoll. Ist sie wichtig. Ich mag beispielsweise die Musik von Konrad sehr gern, seine Texte, seine Melodieführung. Auch wenn seine Musik selbst jetzt nicht das Rad des Neofolks neu erfindet. Und darin soll es in der Musik meiner Ansicht nach nicht gehen. Sondern darum sich auszudrücken, etwas mitzuteilen. Und wenn man genau hinschaut, dann wird man viele Musiker entdecken die genau das tun. Natürlich gibt es im Netz auch viele Musiker, die eher nochmal üben sollten. Aber dann gibt es Projekte wie Saeldes Sanc, Walden, Molllust, Ebenbild oder Carpe Noctem, die mich emotional sehr berühren. Und nebenbei auch neue Aspekte in die Musik hineinbringen. Doch letzteres sollte nie das Hauptziel sein.

    Ich finde es schade, dass Du Dich hinstellst und alles abcancelst. Weil es unfair ist. Unfair gegenüber die ganzen Musikerinnen und Musiker, die wirklich kreative Ideen haben und dafür kämpfen diese auch umzusetzen. Nur weil Du diese Musiker nicht kennst, heißt es doch nicht, dass es sie nicht gibt!

    2. Dasselbe bei DJs. Nur weil Du die guten DJs nicht kennst, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. Komm doch mal nach Leipzig zu einem Seelenschatten oder zu einer Blauen Stunde. Karten für das Young & Cold später im Jahr gibt es auch noch. Auch hier: natürlich gibt es landein, landaus viel Mist. Sehr viel Mist und tatsächlich DJs, die alles stumpf von ihrer Festplatte abspielen. Aber es gibt sie noch: die DJs die mit Vinyl und CD arbeiten und alles liebevoll zusammenstellen und pflegen, weil sie wirklich neue Musik fördern möchten. Diese wird man aber nicht auf den großen Veranstaltungen sehen.

    Was Du machst ist leider exemplarisch für die deutsche Szene. Man wirft alles zusammen und sieht die Diskussion in sehr undifferenzierte Bahnen. Vielleicht kann so ein Ausbruch ab und an auch ganz gut sein. Man fühlt sich besser, man hat mal Frust abelassen. Aber ist das auch wirklich förderlich für eine Subkultur?

    Ich erinnere an diese Stelle daran, dass es schon immer Eigeninitiative erforderte die wirklich schönen Perlen in der Musik zu finden. Als ich Mitte der 90er in die Szene gekommen war das ganz genauso. In den Zeitschriften wurden die immergleichen Bands abefeiert und die wirklich interessanten Acts wurden dort, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt. Bands wie Antichrisis und Angizia beispielsweise… Die schon damals viele neue Impulse in die Musik fernab des damals typischen und beliebten Gothic-Metals gebracht haben. Das hat sich seitdem nicht großartig verändert.

    Klar, die deutsche Subkultur steckt in einer Krise. Aber das ist hausgemacht. Einfach weil man sich über Jahre hinweg zu sehr in die Konsumentenrolle pressen hat lassen. Wenn niemand aktiv wird, muss man sich eben nicht wundern wenn andere aktiv werden und ihre Vorstellungen durchdrücken…

    • Ja, Musik ist Geschmacksache. Das ist ein Allgemeinplatz, der uns nicht weiterhilft. Darüber hinaus ist sie aber auch objektiv betrachtbar – wenn man sich in einer Szene mit bestimmten Parametern bewegt, die aus Bedürfnissen eben dieser in gewisser Weise familiären Gruppe entstanden sind. (Das kein gesundes Individuum sich darauf beschränken sollte ist klar, aber hier ging es ja eben um diese Familie, um die Szene!) Mit Fairness hat Geschmack zudem gar nichts zu tun. Ich kanzele sicher nicht alles ab – ich stelle nur fest, was Du letztlich ja auch feststellst: Es steht schlecht um die Subkultur – und offenkundig ändern Molllust und Co daran im Augenblick auch nichts. Was ja nicht heißt dass Du sie individuell nicht gut finden darfst. Nicht jede Band muss das Rad neu erfinden, aber wenn in der Szene insgesamt keine Dynamik mehr ist, haben wir ein Problem, fürchte ich.

      Pudelkern2: Natürlich kenne ich nicht jeden DJ und jede Band – aber das muss man ja auch nicht, denn eine Szene ist mehr als die Summe aller Einzelteile. Heutzutage ist es doch gerade im Internet sehr leicht, Band und Hörer zusammenzubringen, das war früher schwerer und hat trotzdem besser geklappt. Rechnet man also diesen positiven www-Effekt raus, steht es um die Szene also noch schlimmer aus als es ist. Abgesehen davon ist es egal, ob jemand mit Viny oder Laptop auflegt. Das ist eine Formsache – aber ich höre raus, dass auf solche Formalität wert gelegt wird? CD = „liebevoll“, Festplatte = „stumpf“? Das glaubst Du doch selber nicht.

      Und das mit der Eigeninitiative ist auch so ein Anti-Szenen-Argument: Das Schöne an einer Familie (ja, sowas war die Szene mal) ist doch gerade, dass man Dinge gemeinsam angeht und nicht in allem auf sich allein gestellt ist. Individualist kann man außerhalb aller Dinge ja immer ganz für sich sein, oder? Das, was Du „wirklich schöne Perlen“ nennst – sind sie das nun objektiv? Im Rahmen einer Szene? Oder nur ganz allein für Dich? Du merkst schon… die Szene ist der Mittelweg, der die Vorteile im Sinne Mehrerer zusammenfasst – was ja in anderen Szenen auch funktioniert.

  3. Pingback: Kolumne: was zählt

  4. Hi, ich weiß genau was Du meinst.War Mitglied in der Szene seit ich 12 Jahre jung war.Dann zog es mich eher zum Metal hin.Nun bin ich mit meiner Band wieder dabei, aber nichts ist mehr wie früher.

  5. Mir stellt sich schon die ganze Zeit die Frage, ob ich als jemand, der die Szene in den 80ern nicht kennengelernt hat (weil er eben noch nicht da oder noch auf allen 4en unterwegs war), überhaupt die Berechtigung hat „dazuzugehören“. Bis zum Abi wusste ich noch nicht mal, dass es sowas wie eine Gothicszene überhaupt gibt. Gehört man zur „todbringenden“ Kategorie der kritiklosen Möchtegerns, wenn man mit Schandmaul, Lacrimosa und Tanzwut eingestiegen ist? Kontakte in der ersten Zeit nur über schwarzesglueck.de gefunden hat? Ich hatte auch ne WGT-Reifrock- und Lackphase, gehörte also zu den Kostümierten. Henke lernte ich erst über eine kleine CD-Lieferung von dir, Tim, kennen. Dies alles waren aber Meilensteine auf dem Weg zu dem, was die Szene für mich heute ist. Wenn auch nur im stillen Kämmerlein. Ich trauere den 80ern insofern nach, als dass ich nie dabei war. Vielleicht ist das aber auch gut, denn so tut es vielleicht nicht so weh. Ich hole nach, was geht – und das geht auch am WGT. Für mich. Bei WWWY. Ich lern(t)e die Musik der Szenekindertage erst in den letzten Jahren/heute kennen. Dabei half mir auch das WGT – denn ich war begeistert von der Ausstellung 2013 im Stasi-Museum. Habe mir gestern zum ersten Mal Pikes bestellt (zählt das, auch wenn ich Wert auf vegane Pikes lege?), seit einem Jahr werden die Haare toupiert. Ich schimpfe genau so über die Knicklichter, die Kostümierten, die sogenannten Emos und gröhlende Metaller – kann dem aber die meiste Zeit aus dem Weg gehen und hoffe, dass einige, wie ich, nur eine Phase auf dem Weg zum „echten“ Grufti des 21. Jahrhunderts durchmachen. Wenn ihr mir erlaubt, mich dazuzuzählen… Vielleicht erhebt sich der Phoenix aus der Asche, wenn seine Zeit gekommen ist.

    Wobei ich zustimmen muss, aber das hat nichts mit der Szene, sondern mit der Gesellschaft an sich zu tun: fehlende Kritik und Reflexion. Wir übernehmen vorgefertigte Meinungen und machen es uns so bequem wie möglich, weil es eben möglich und so einfach ist dank TV, FB und Co.
    VG
    Frau Fledermaus

  6. Also wir kapseln uns immer mehr ab,das heißt meine Verlobte und ich,es ist langsam zuviel des Guten,höher,weiter und schneller. Wir sind Gruftis für uns,diese ganzen Veranstaltungen wie das WGT sind doch nur noch lächerlich,das traurige ist das genau die Szene in der man sich wohl fühlen sollte einen nur noch abstößt.Ich rede nicht von einzelnen Menschen sondern der Maschine Schwarze Szene,die Maschine ist gut zum Geld verdienen,hat aber kein Herz mehr.Es ist einfach zuviel geworden,die Szene frisst sich auf und merkt es nicht einmal.

  7. Pingback: Die neue Mitte einer ‘unpolitischen’ Subkultur | Gruftis gegen Rechts

  8. Das Problem ist das die Szene kaum noch Nachwuchs hat weil jeder Ansatz eines individualisten von der heutigen gesellschaft schon im keim erstickt wird. die medienlandschaft bringt heutigen jugendlichen diese alternative kaum noch nahe. dies war einmal anders. spannend ist aber das es auch wieder neue ältere szenegänger gibt. den rest der thesen kann ich nur bedingt beipflichten. da ich es z.b. bei uns im club noch gewohnt bin das DJ’s mit DJ und Vinyl auflegen. Das Liegt aber daran das ein paar DJ’s halt bei uns schon seit 20 Jahren dabei sind. Da hat sich nicht viel geändert. Editors und co. nunja. Der Szenegänger schaut sich diese Bands eigentlich ganz gerne an. Und Sie werden auch ab und an in den Clubs gespielt. Wo liegt dann das Problem? Das Sie nicht auf Szeneevents auftreten? Mmh ich glaube das Liegt schlichtweg daran das keiner die Unverschämten Gagen für die Aufgeführten Bands finanzieren kann um diese in eine Subkultur zu Integrieren. Diese Bands müssen auf großen Pop Konzerten Spielen. Nur dann kann sich ein Veranstalter dies Leisten. Opium für die Massen und das will die Szene nicht sein. Aber Eventuell weicht meine Perspektive aus meiner Ecke von Deutschland da auch ein wenig von anderen Orten ab.

    • Tut mir leid, ich finde Du liegst da vollkommen schief.

      Das mit den Vinyl-DJs ist auch so ein beliebtes Scheinargument, das Form und Inhalt verdreht. Am Ende ist das Abspielmedium doch egal, wenn die Atmosphäre stimmt? Der alte Grufti-Fehler: Man schimpft über E-Mails und verherrlicht Tinte samt Büttenpapier, vergisst dann aber über den eigentlich zu übermittelnden Text nachzudenken.

      Was Editors & Co angeht: Jeder Mensch ist, wenn er schlau ist, mehr als nur Szenemensch. Man kann sich ja problemlos außerhalb der Szene sowas anhören. Jeder Szene tun Impulse von außerhalb gut. Schlecht ist nur, wenn irgendwann ALLE Impulse von außen kommen und keine mehr von innen. Dann ist die Szene ja zu nichts mehr gut außer für Retro-Treffen…

      Und das mit der bösen Gesellschaft, die den Individualismus verhindert? Es wäre doch ein Witz, wenn die Gesellschaft dafür sorgen müsste, das jeder ein Individuum ist. Das muss das Individuum schon selbst hinbekommen. Die Medienklandschaft bringt keine Alternativen nah? Ohweh! Was willst Du? Regungslos auf der Couch sitzen bis RTL dir deine gotische Individualität vor die Nase sendet? Es gibt wenige Gesellschaften, die wie die unsere dazu so viele Chancen bereitstellen. Es gibt volle Bibliotheken. Es gibt hunderte Web-Radio-Sender mit aller Art von dunkler Musik (und von jeder anderennoch so skurrilen Special-Interest-Gruppe)! Wenn man all das nicht individuell nutzt, ist das allein die eigene Schuld…

  9. Die „Szene“ ist immernoch genauso gut/schlecht wie zu Anfang. Bands/Künstler sind immernoch von den gleichen Wünschen beseelt. Die Einen tun`s für die Kunst, die Anderen für`s schnelle Geld, die Einen für`s Ego, die Anderen für Sex, Drugs & Rock `n Roll. Der einzige Unterschied zu „früher“ ist die absolute Verfügbarkeit von Allem.
    Früher hat man eine Scheibe, sei es Vinyl oder CD, gekauft und sie rauf & runter gehört bis, man wieder Geld für was „neues/altes“ hatte. Man musste sich allerhand einfallen lassen um Input zu seinen Gengres zu bekommen. Plattenläden, sofern es überhaupt welche gab, welche Gothic/Wave/E.B.M./Industrial hatten mussten „bestellen“ …man musste als Kunde wissen „was“ man wollte. Der DEALER musste erstmal in Katalogen etwas über Künstler/Label finden…Telefonate/Schriftwechsel …und warten, warten warten!!! Wenn man dann endlich „seine“ Scheibe ergattert hatte, hatte sie (schon gemessen am Aufwand) einen Wert. Wenn sie dann noch „geil“ war natürlich umsomehr.

    Die „Szene“ von heute kennt diesen Wert nichtmehr. Heute wird via Download
    (legal , illegal, scheißegal) Terrabyte-weise Material gesaugt.
    (die totale Entwertung )
    Die Musik ist (für die Meisten) zum wertlosem Konumgut, Staussymbol, geworden. „höher, schneller, weiter“ !!!
    Alle, auch die „Schwarze Szene“ verhält sich dadurch auch dementsprechend „wertefrei“ !!!

    Entweder macht man dabei mit, oder lässt es bleiben – diese Entwicklung lässt sich nichtmehr rückgängig machen – man kann nur auf sich selbst schauen und seinen eigen Wert dafür festlegen – Szene hin, Szene her – dann kommt der verlorengegangene Wert auch wieder zu einem zurück…..

    Gruß, RedMask

    • Ich weiß was Du meinst. Auf jeden Fall trägt diese leichte Allverfügbarkeit dazu bei, den „Beschaffungsreiz“ zu verringern. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass der Wert von Musik in dieser selbst liegt und nicht in solchen „Nebenbei-Tugenden“. Gute Musik ist nicht gut, weil sie schwer zu bekommen ist. Was Du beschreibst, birgt auch die Gefahr des Schönhörens: Man findet etwas gut, weil man es gut finden will – und muss. Wahr ist aber auch: Musik enthält nur begrenzt einen ideellen Wert – den Großteil davon fügt der Hörer bei.

      Ich denke leider schon, dass die Schwarze Musikszene nicht mehr so ist wie früher. Zeig mir doch den künstlerischen Idealismus von einst…

  10. Ich definiere mich nicht über mein Konsumverhalten. Ich lasse mir auch nicht vorschreiben, wie ich ein RICHTIGER, echter oder authentischer Typ sein soll. Wie kann man denn selbst nicht „authentisch“ sein? Schade, wenn sich die Welt verändert. Früher war alles besser. So reden meine Nachbarn, die sind Rentner und können nicht verstehen, dass ich so herumlaufe. Meine „Szene“ bin ich selbst und meine Freunde. Manche sind gestorben, neue sind dazugekommen. Wir kaufen auch aktuelle Konsumgüter, aber unsere eigene Kunst ist nicht kommerziell, die tauschen wir untereinander und im Internet, kostenlos oder günstig. Wenn einer für Geld im Club auflegt, dann macht er das zum Geld verdienen. Da ist nichts schlimmes bei. Ich gönne ihm das, zumal es mehr Spass macht, als Riester Renten zu verkaufen oder im Lager zu mallochen. Bei unseren eigenen Sessions geht es aber nicht um Geld, sondern um das Lebensgefühl. Ich brauche keine Stars und Promis, die sich ewig gleich im Kreis drehen und ein kleines Sonderpublikum bedienen, ich höre und sehe mir immer das immer das an, was mir gefällt und ich habe schon mehr Material verfügbar als ich in einem ganzen Leben konsumieren könnte. Kein Grund zur Klage. Oder ist es un-gothic, zufrieden zu sein? Ich glaube eher, Jammern ist typisch deutsch, vor allem dieses „Früher war alles besser“.

    • Weder soll irgendwem vorgeschrieben werden wie er zu sein hat, noch geht es darum das „früher alles besser“ gewesen sein soll. Und ich nehme für mich in Anspruch, auch nicht gejammert zu haben. Es ist doch normal, dass man die aktuelle Realität mit der bekannten Vergangenheit vergleicht um herauszufinden, ob etwas besser oder schlechter geworden ist – um dann für die Zukunft zu entscheiden. Dabei gibt es umumkehrbare Realitäten – und variable Größen. Ich kritisieren einen Mangel an Kreativität. Mit Einst oder Jetzt hat das nichts zu tun. Du bist deine eigene Szene? Das ist im Kern Unsinn. Eine Szene ist eine familiäre Gemeinschaft mit gewissen Interaktionen und gemeinsamen Werten, sie sich ja gerade im erbaulichen Miteinander definiert. Das kann man als Korsett sehen und außen vor bleiben – gern. Oder man will gerade das. Allerdings bezweifle ich, dass deine „eigene Ich-Szene“ vollkommen ohne Input von außen funktioniert. Oder nimmst Du alles aus dem luftleeren Raum? Was dann zu der Frage führt, wo für dich „Konsum“ beginnt. Auch du „konsumierst“ Ideen anderer Menschen. Ist eine Frage der Definition… Ich sage dass, weil man sich in der Gothic-Szene eher nicht über bestimmten Konsum definiert… jedenfalls weniger als anderswo, hier gab es nie bestimmte Marken oder Must-haves…

  11. Das Thema ist nun schon etwas älter, aber ich geb mal meinen Senf dazu :P.
    Im Laufe der Zeit verändert sich so manches. Die Musik kommt jetzt nur noch aus dem Computer und die Menschen aus den 80ern sind nun auch älter(haben Familie und evtl.keine Zeit mehr). Wenn ich unterwegs bin hab ich meist das Gefühl, dass wir jetzt in einer ziemlich angepassten Smartphone-Gesellschaft leben. Ich meine keiner hat mehr einen eigenen Stil. Viele Szene- Clubs und Läden müssen schließen wegen fehlender Kundschaft.
    Das WGT oder Wacken laufen natürlich bestens, dank viiiiel Werbung, mittlerweile Massentauglichkeit und das ‚ich war auch dabei‘- Gefühl.
    Aber vielleicht ist diese desintressierende Entwicklung auch gut so. Wenn die Szene (wie ursprünglich) im kleinen Kreis und nicht als Vermarktung dient.

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