Neue Werke

In unseren beiden Konzerten am 23. 11. in Chemnitz und am 24.11. in Berlin werden erstmals neue Werke zu hören sein, die wir Anfang 2013 aufnehmen und danach auch als Tonträger veröffentlichen wollen. Die Art und Weise steht noch nicht fest, aber aktueller Diskussionsstand ist, die Stücke jeweils stilistisch und thematisch passend auf verschiedenen EPs zu bündeln. Die erste trägt den Arbeitstitel „Kinderlieder“.  Vorab sollen an dieser Stelle schon einmal die Hintergründe zu den neuen Werken (in der Reihenfolge, in der sie zwischen bereits bekannten Stücken die Konzert-Setliste bilden) erläutert werden:

 

„Tag und Nacht“ vermischt teilweise recht radikal-ambiente Elektronik mit grimmigen Gitarren-Eruptionen auf für fetisch:MENSCH sehr ungewohnte Weise. Der Text behandelt die Tatsache, dass die Zeit entgegen des Sprichwortes eben nicht immer alle Wunden heilt: Manchmal verändert sie nur die Art des Schmerzes – man muss dann lernen, ihn als täglichen Begleiter sowie in jeder Nacht zu akzeptieren und aus seiner Veränderung Kraft zu ziehen.

 

„Ich bin übrig“ ist episch-orchestrale Ambient-Filmmusik, die in ihren Grundzügen von sToa-Kopf Olaf Parusel komponiert wurde und als „Appetithappen“ für den neuen Weg der Band steht: Tim hat zusammen mit Olaf noch weitere Ideen für fetisch:MENSCH in Arbeit. Oswalds Text behandelt die Gefühle eines allein gelassenen Menschen, der als Witwe(r) oder Waise sein Gegenstück verloren hat und nun mit der Erwartung der Restwelt kämpft, die ihm zwar eine gewisse Trauerzeit zugesteht, in dieser aber eine Verarbeitung des Verlustes erwartet. Warum wird eigentlich nicht akzeptiert, dass der Verlust eine grundlegende Veränderung sein kann? Und warum gibt es keinen Namen für Eltern, die ihre Kinder verloren haben?

 

„Abschied“ ist ein überwiegend ruhiges, dezent postwaverockiges Lied über die Kunst und Notwendigkeit des Abschiednehmens, eine Ode an den Schlussstrich – beziehungsweise dessen halbwegs konsequenten Versuch und die Hoffnung, dass er gelingen möge …

 

„Sieh mein Sohn“ ist das bisher vielleicht politischste Stück von fetisch:MENSCH: Dekonstruierter Pop, der aus aktuellem Anlass die Wunden des Krieges thematisiert.

 

„Schwarzer Schnee“  ist ein treibendes Rock-Werk mit griffiger Hookline und gehörig explosivem Electro-Anteil, dass den Verrat der Eliten thematisiert. Zugegeben, nicht mehr ganz unbekannt, da wir es schon auf einigen Konzerten gespielt haben – dennoch unveröffentlicht.

 

„Wahrheitsschmerzen“ erzählt die Geschichte einer schmerzhaften Erleichterung: Man will von einem nahe stehenden Menschen unbedingt die Wahrheit hören und hofft dabei, dass sie den eigenene Hoffnungen und Wünschen entsprechen möge. Der nahe stehende Mensch entschließt sich aus Zuneigung, diese auch auszusprechen – obwohl sie sehr schmerzhaft ist, da sie den Hoffnungen eben nicht entspricht. Das fühlt sich nach einem schlimmen Riss an und entzweit vielleicht sogar dauerhaft – doch es mischt sich das trotz aller Bitterkeit gute Gefühl bei, dass man eben das Richtige, Wahre erfahren hat. Dass es letztlich gut so ist, weil jeder hoffnungsfroh unwahre Weg letztlich in die Irre führen muss.

 

„Wir warten“ ist eine ruhige Akustik-Pop-Nummer, die die angenehme Ruhe des Wartens mit der Unbefriedigung des Stillstandes koppelt: Mitunter muss man lernen, die selbst verschuldete Ergebnislosigkeit als einzig mögliches Ergebnis zu akzeptieren: Weil man nichts getan hat, außer die sanfte Stagnation des Anhaltens zu genießen.

 

„Damalskinder“ ist ein recht komplex-experimentelles Electrorock-Stück aus dem „KInderlieder“-Zyklus: Wir sind nicht, was wir sind – wir sind geworden, was wir sind. Und wir waren einst unbeschriebene Blätter, chancengleich und kindlich unschuldig.

 

„Und wo es schreit“ ist ein ausgesprochen episches Ambient-Stück mit einer erdrückenden Atmosphäre, aus unserer Sicht der bisherige Höhepunkt der Bandgeschichte. Wer klar zu sehen vermag, sieht auch die zerstörerischen Kreisläufe klar, in denen der Mensch sich bewegt. „Wir kochen Leim aus den Knochen toter Kinder und kleben damit das Geld ans Kapital“…

 

 

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6 Gedanken zu „Neue Werke

  1. „Und warum gibt es keinen Namen für Eltern, die ihre Kinder verloren haben?“
    Das ist eine sehr gute Frage… mich würde dazu interessieren, ob es nur in der deutschen Sprache keine Bezeichnung dafür gibt.

    Allgemein bin ich sehr auf die neuen Songs gespannt, denn sie versprechen seelischen Tiefgang mit ihren Themen. Wobei ich überzeugt davon bin, dass man beim Hören so einiges zu knabbern hat. Und ich meine damit keine Fingernägel oder Chips.

  2. Eure Werke sind nichts weniger als eine tiefergehende Gefühlskonfrontation durch Gedanken und Klänge… manchmal angenehm, meist unangenehm, aber lebendig und treffend. Manches will man im ersten Moment nicht annehmen, nicht weiterdenken, aber man spürt zugleich, dass sie eben etwas menschlich Wertvolles zu sagen haben, also lässt man die Konfrontation zu… wenn man zu den Menschen gehört, die erkannt haben, dass man auch – oder vor allem durch – scheinbar Negatives wachsen kann… denn oft stellt sich das zuerst als negativ empfundene im Rückblick betrachtet als das eigentlich Positive heraus.

    Deshalb würde ich gerne die neuen Texte nachlesen können. Es wäre schön, wenn sie bereitgestellt werden würden.

    Liebe Grüße und danke für Euer (Er-)Schaffen.

  3. Ich wäre begeistert bei einem Konzert im Ruhrgebiet dabei. Ich habe fetisch: Mensch vor einigen Jahren im Zwischenfall in Bochum gesehen. Das war ein schöner Abend. Goethes Erben habe ich zuvor mindestens acht mal live gesehen, wenn nicht öfter. Nun ist beides unterschiedlich hat aber die Gemeinsamkeit eines charismatischen Oswald Henkes und gefällt mir in Text uns Musik. Ich wäre schon sehr dankbar, wenn endlich wieder etwas veröffentlicht würde.

  4. Pingback: Kinderlieder & MaskenHaft | ~ PygoscelisPapua | Media ~

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